Franziskusweg
Unterwegs mit dem Hl. Franziskus
MITE D'ORGANISATION A LA JOIE D'INVITER TOUS LES PAROISSIENS ET AMIS DE SAINT HENRI A LA COMMEMORATION DU CINQUANTIEME ANNIVERSAIRE DE LA CONSECRATION DE L'EGLISE PAROISSIALE 28 OCTOBRE 1923 ESCH-SUR·ALZETTE SAMEDI 27 ET DIMANCHE 28 OCTOBRE 1973

Das Wort unseres Bischofs

Kirchen sind Zeichen

Kirchen sind Wegweiser zu Gott. Sie sind Quellen des göttlichen Lebens. Kirchen sind Stätten

menschlicher Begegnung und Gemeinschaft. Sie heben das Diesseits, aufgefüllt aus Unerlöstheit, Mühe und

Sorge, in die jenseitige Dimension und damit in den wahren Frieden und die echte Freude.

Seit 50 Jahren leistet die Kirche Sankt Heinrich in Esch-Alzette diesen Dienst. Als Ordenskirche der

Franziskaner am 28. Oktober 1923 geweiht, wurde sie am 17. Juli 1929 zur Pfarrkirche der eben

gegründeten bischöflichen Pfarrei bestimmt. 30 Jahre später wurde sie mit dieser dem Weltklerus

anvertraut und unter der Leitung eines dynamischen Pfarrers und seiner aufgeschlossenen Mitarbeiter

ganz im Sinne des 11. Vatikanischen Konzils erneuert.

So hat man aus ihr den würdigen und angepassten Rahmen für das Volk Gottes geschaffen, für jene Kirche,

die "aus lebendigen Steinen erbaut" das allumfassende Sakrament des Heils darstellt.

Möge die Kirche von Sankt Heinrich noch lange Jahre und möge sie immer mehr zum wirksamen

Strahlungspunkt für das Evangelium Christi werden! Möge Er immer wieder in ihr gegenwärtig sein, um

das grosse Werk der Erlösung voll zu verwirklichen, "die Heiligung der Menschen und die Verherrlichung

Gottes, auf die alles Tun der Kirche als auf sein Ziel hinstrebt" (Vgl Vat. 11 Lit.-Konst. Nr. 10)1 Dann

bliebe sie dem franziskanischen Geist ihres Ursprungs treu und aus der gleichen Treue heraus stets offen

für den Ruf des Heiligen Geistes, auch dem Menschen von heute wie dem von morgen, wahrhaftige Kirche

Christi zu sein, Raum der Wahrheit und der Liebe, in dem er schon jetzt ein Stück wirklicher Heimat

findet.

Luxemburg, den 10. Oktober 1973

+ Jean Hengen

Bischof von Luxemburg

Zum 50. Jahrestag der Konsekration der St. Heinrich-Kirche in Esch/ Alzette am 28. Oktober 1923.

Aus der Geschichte des Klosters und der Pfarrei von Professor Edouard Molitor So begann es .

Vom 13.-17. April 1921 wurde in der Kathedrale von Luxemburg eine Mission gepredigt als Vorbereitung

auf das 250 jährige Jubiläum der Weihe der Stadt Luxemburg an die Trösterin der Betrübten. Die Mission

wurde abgehalten von den 3 Franziskanern Paul Wolfersperger, Vincent Gouth und Raphael Leguil: alle 3

aus der elsässisch-Iothringischen Provinz. Bischof Nommesch war durch diese Mission so

ausserordentlich beeindruckt, dass er die Franziskaner für die Gründung einer Niederlassung in Luxemburg

zu gewinnen suchte. Am Ende der Mission verkündete er in aller Feierlichkeit: "Die Patres werden

wiederkehren, um immer bei uns zu bleiben." Besonders der begeisterungsfähige und redegewandte P.

Raphael hatte es dem Bischof von Luxemburg angetan. P. Raphael stammte aus Contz im nahen

Lothringen. Die Wurzeln der Familie gingen über die Ländergrenze herüber ins Luxemburgische, so dass er

über Land und Leute in Luxemburg genau Bescheid wusste. Nach dem Willen des Bischofs sollten die

Franziskaner, die bis zur französischen Revolution so segensreich in Luxemburg, Diekirch und Ulfingen

gewirkt hattten, unter der Arbeiterbevölkerung in Esch eingesetzt werden. Wie einst in früheren

Jahrhunderten, so fanden sich Menschen, die bereit waren, auf ihre Kosten den Franziskanern eine Kirche

und ein Kloster in Esch zu errichten. Es waren dies die Verantwortlichen der Gesellschaft Terres-Rouges,

die Bischof Nommesch und P. Raphael grossmütig entgegenkamen. Wie immer, wenn ein grosses Werk

entstehen soll, fehlte es auch nicht an solchen, die dagegen Sturm liefen. Jemand meinte sogar, dass "die

ganze Geschichte gegen die Arbeiter gerichtet sei". Bürgermeister Wilhelm betonte allerdings, dass man

niemand, der die Legalität einhalte, hindern könne ein Haus zu bauen, das die Form einer Kirche habe.

Die treibenden Kräfte für die Niederlassung der Franziskaner in Esch waren neben Bischof Nommesch, P.

Raphael, Mgr. Origer und nicht zuletzt der Klerus der Stadt Esch, der zu dieser Seite der Stadt dringende

Hilfe für die Seelsorge brauchte. Treibende Kraft war auch Direktor Coqueugnot von Terres-Rouges, der

alsbald dem Verwaltungsrat der Gesellschaft unter Vorsitz von Herrn E. Schneider (Creusot) den Plan

vorlegen konnte. Der Verwaltungsrat war damit einverstanden dass die Gesellschaft Kirche und Kloster

errichten und an die Franziskaner vermieten sollte. So kam es zu der ganz eigenen Situation, dass eine

moderne Grossindustrie, die Eisengruben und Hüttenwerke besass, auch noch Besitzerin einer Kirche und

eines Klosters wurde.

Die Grundsteinlegung

Herr Gross, Architekt der Gesellschaft "Terres-Rouges" arbeitete in kurzer Zeit die Pläne aus. Den bei den

Eschern Unternehmern l.efèvre und Ruckert wurden die Bauarbeiten übertragen. Die Vorarbeiten wurden

so schnell vorwärts getrieben, dass bereits am 31. Juli 1922 die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Diese

erste Feier fand statt

unter grosser Anteilnahme der Escher Bevölkerung. Als Vertreter der Regierung waren anwesend die Herren

Staatsminister Emile Reuter und Generaldirektor Raymond de Waha. Die Gesellschaft Terres - Rouges

war vertreten durch Direktor Coqueugnot, Generaldirektor Schock und Oberingenieur Erpelding. Mgr.

Nommesch, umgeben von Generalvikar Peiffer, Mgr. Origer, Dechant Bisdorff, Pfarrer Kayser mit dem

Escher Klerus, nahm die Einsegnung vor. In seiner Predigt fand er herzliche Worte an die Adresse der Stadt

Esch, der Gesellschaft Terres - Rouges, der Franziskaner und aller Anwesenden. Die Kirche sollte dem

heiligen Heinrich geweiht werden als Erinnerung an den im Kriege als Flieger umgekommenen Sohn Henri

des Präsidenten E. Schneider. Das war der Anfang einer Gründung, die über den Wechsel der Zeiten hinaus

immer wieder die schönsten Früchte gezeitigt hat.

Konsekration und Vollendung der Kirche.

Die ersten Franziskaner in Esch Am 30. August 1923 bezog P. Raphael mit den 3 Brüdern Aloyse, Yves und Julien die Klosterwohnung in Esch. Einige Tage später folgte P. Matthias Rumbach. Am 14. Oktober desselben Jahres wurden 2 Glocken konsekriert, die von der Gesellschaft Terres-Rouges gestiftet worden waren. Als Patinnen fungierten Madame G. Barbomson, Gattin des Präsidenten der Arbed, Madame Mollard, Gattin des französischen Gesandten in Luxemburg, daneben noch die Damen Schock und Erpelding. Staatsminister Emile Reuter, Herr Schneider, Präsident der Gesellschaft Terres-Rouges, die Herren Donnersbach und Weiss als Vertreter der Beamten und Arbeiter; standen Paten. P. Raphael, der die Festpredigt hielt, bewies bei dieser Gelegenheit, dass er nicht nur zum gewöhnlichen Volk, sondern auch zu hohen Herrschaften sprechen konnte. Grossmütig beschenkt wurden die nahezu 2000 anwesenden Kinder. Am 28. Oktober 1923, genau 14 Tage nach der Glockenweihe, wurde die Kirche selbst durch Mgr. Nommesch konsekriert. Der Provinzialkommissar P. Paul, umgeben von den Metzer

8

Franziskanern, feierte die erste hl. Messe in der neu konsekrierten Kirche. Anwesend waren auch der Prinz

von Luxemburg und der Nuntius Mgr. Micara. Die im modernen romanischen Stil erbaute Kirche machte

auf alle den besten Eindruck. Die Fensterdekoration bezog sich in ihren Themen auf den hl. Heinrich, die

Arbeiterbevölkerung und auf die Franziskaner. Lehrlinge von Terres-Rouges hatten die Schlosserarbeiten

ausgeführt, während die Franziskanerbrüder die Schreinerarbeiten besorgt hatten. Der aus Rustroff

stammende Maler Engel hatte die Entwürfe für die Kirchenfenster geliefert, die dann von der Firma Linster

ausgeführt wurden. Für das Franziskusjubiläum von 1926-27 liess P. Raphael die Kirche durch den

bestbekannten Kirchenmaler Nicolaus Brücher aus Elvingen mit Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus

und des Franziskanerordens dekorieren. Das Volk hatte seine helle Freude an diesen farbenfrohen,

frommen Bildern, Seminarprofessor Leo Lommel schrieb damals in einer kleinen Monographie über diese

Bilder: Die St. Heinrichs Kirche besetzt heute in ihrem Innern ein Werk, das sie für alle Zukunft zu einer

Heimstätte echter religiöser Kunst weihen wird.",

Gründung der Pfarrei St. Heinrich.

Als im Mai 1927 die Gesellschaft Terres-Rouges mit dem Bau von 350 Arbeiterwohnungen begann, stellte

sich das Problem der Arbeiterseelsorge in akuter Weise. P. Raphael erreichte zunächst, dass St. Heinrich

als Hilfskirche von St. Joseph und zwar mit einem residierenden Kaplan erklärt wurde. Damit war bereits

der Anfang für eine wirkliche Pfarrei gemacht. Nach längeren und gründlichen Verhandlungen mit den

verschiedenen Instanzen wurde St. Heinrich zu einer Pfarrei Päpstlichen Rechtes erhoben und den

Franziskanern anvertraut. Der erste Kaplan wurde auch der erste Pfarrer. Er hiess P. Raphael Leguil. Am

30. September 1928 führte Bischof Nommesch P. Raphael in St. Heinrich ein. Am 27. Oktober 1929 wurde

das grosse und mächtige Vereinshaus St. Franziskus feierlich eingeweiht, wobei Kammerpräsiden E.

Reuter die Festrede hielt. Im Jahre 1934 erfolgte die Einweihung des "Foyer Ste Elisabeth", ein Jahr später

die Grundsteinlegung des Hauptturmes. Die Weihe der 4 neuen Glocken für diesen Turm wurde im Jahre

1937 vorgenommen. Erst 1948 konnte die Firma Pels aus Holland, die von P. Damian bestellte Orgel

liefern.

Franziskanische Seelsorge.

In diesen äusseren Rahmen aus Stein spannte P. Raphael nach und nach eine innere Organisation ein, die

damals für eine gedeihliche Seelsorge notwendig war. Schon gleich nach der Vollendung der Kirche war ein

Männer- und Knabenchor ins Leben gerufen worden. Nach Errichtung der Pfarrei kamen andere Vereine

hinzu. Im November 1929 entstand ein katholischer Männerverein. Im Dezember 1929 ein Ouvroir für

karitative Zwecke. I m Januar 1930 wurde eine Scouts-Sektion ins Leben gerufen. Im Juni 1931 sogar eine

eucharistische Männer und Jünglingssektion.

Die Seelsorge war aufgebaut auf eine echt franziskanische Frömmigkeit die auch alles tat, um den Kindern

entgegenzukommen. Ein eucharistischer Kinderkreuzzug wurde eingeleitet, dem sich zeitweilig P.

Willibrord Rumé, einst Professor am Priesterseminar in Luxemburg, widmete. Alle Feste des hl.

Franziskus wurden mit grosser Feierlichkeit begangen. Besonders hoch in Ehren stand die Andacht zum hl.

Antonius von Padua. Franziskanische Frömmigkeit wurde auch über den Weg des 3. Ordens unter den

Erwachsenen gepflegt. P. Raphael wusste auch um den Wert der Hausbesuche, die er, trotz seiner

aufreibenden Tätigkeit, nie aus dem Auge verlor. Durch diese Besuche lernte er zahlreiche Escher Familien

persönlich kennen. Bei all dieser Arbeit, dieser Begeisterung wirkten periodisch gemachte Statistiken über

den Besuch des Gottesdienstes sehr ernüchternd. Das aber war noch immer so.

Abschied und Tod von P. Raphael.

Im Jahre 1935 fand in Metz das grosse Kapitel der Franziskaner statt, auf dem ein neuer Provinzial

gewählt werden sollte. Die Wahl fiel auf P. Raphael. Nach einem herzergreifenden Abschied in St. Heinrich

begab sich P. Raphael nach Metz, um seinen schweren und verantwortungsvollen Posten zu übernehmen.

Obschon er durch harte schonungslose Arbeit seine Gesundheit schwer angeschlagen hatte, begann er bald

wieder seine Missionstätigkeit. Vom 7.-15. März 1936 predigte er unter grossem Zulauf der Bevölkerung

eine Mission in der alten Franziskanerkirche in Ulflingen. Die Begrüssungs- und Dankesrede des

Bürgermeisters nahm er mit ins Archiv der Provinz. Vom 17.- 23. März hielt er noch Exerzitien für die

Oberinnen aus der Kongregation der hl. Elisabeth in Luxemburg. Schon am Morgen des 26. März erlag er in

Metz seinem schweren und hartnäckigen Leiden im Alter von 59 Jahren.

Die Zeitungen von Metz bis Strasburg waren zu klein, um das Werk des armen Franziskaners zu schildern.

Im "Luxemburger Wort" widmete Mgr. Origer seinem Freund einen langen tiefempfundenen Nachruf. Im

Volke wurde er mit dem Redemptoristen Pater Zobel verglichen. Dann ging er in die Legende ein. Auf P.

Raphael folgte in St. Heinrich P. Aloyse Leininger und von 1938-1941 P. Andre Dier. Als im März 1941 die

Franziskaner aus Esch vertrieben wurden, war der älteste Vikar aus St. Joseph, Matthias Peters als

Pfarrverwalter für St. Heinrich vorgesehen. Weil jedoch die Pfarrei Päpstlichen Rechtes war, konnte die

Diozese nicht darüber verfügen wie sie wollte. 50 blieb P. Damian Helmke für die Zeit des Krieges

Ersatzpfarrer in St, Heinrich.

Aus der Kriegschronik von St, Heinrich (1940-44).

Am Sonntag vom 5. Mai in der Oktave von Christi Himmelfahrt stehen im Ausrufungsbuch die

Verkündigungen über die Feier des kommenden Pfingstfestes in St. Heinrich. Dieses Pfingstfest wurde nie

in St. Heinrich. gefeiert. Am 10. Mai, am Freitag vor Pfingsten brach der Krieg mit seinen Schrecken über

die Stadt herein, zerstreute die Bevölkerung und machte dem Pfarrleben auf Monaten ein Ende. Nach einer

Unterbrechung von mehr als 2 Monaten setzte allmählich der normale Pfarrbetrieb wieder ein.

Am 21. Juli, dem 10. Sonntag nach Pfingsten, werden die Verkündigungen im Ausrufungsbuch wieder

fortgesetzt. Es wird hier besonders darauf hingewiesen, dass wegen der notwendigen Eintragung in die

Kirchenregister die Namen der in der Zwischenzeit Verstorbenen und Getauften angegeben werden sollten.

Aus kurzen Andeutungen an den nachfolgenden Sonntagen geht hervor, dass das Vereinsleben nach und

nach erdrosselt wird. Einstweilen wird die Pfarrei noch von P. Andre Dier weitergeführt. Am 16. März

1941 setzt jedoch ei ne andere Schrift die Verkündigungen fort. Die Franziskaner sind kurz vorher verjagt

und ausgewiesen worden. Einzig und allein zurückgeblieben ist der deutsche Pater Damian Helmke. Im

Verkündigungsbuch lesen wir, dass einstweilen die Sonntagspredigt ausfällt, bis wieder geordnete

Verhältnisse in die Pfarrei zurückgekehrt sind. Desgleichen wird mitgeteilt, dass mit Zustimmung des

Bischofs der Pater das Ordenskleid ablegen und die Kleidung des Weltgeistlichen tragen wird. Am

Schlusse der Verkündigungen wird vermerkt, dass das Gesetzt vom 9. Dezember 1940 über die

Kirchensteuer am 1. Juli in Kraft treten wird. Am Sonntag, den 4. Mai teilt P. Damian mit, dass er vom

11.-18. Mai abwesend sein wird, dass jedoch der Kaplan ihn ersetzen wird. Dieser wohnt im Kloster und

wird an der Pforte die Bestellungen entgegennehmen. Es handelt sich hier um den späteren

Universitätsprofessor Dr. Marcel Reding. Zuerst Professor an der theologischen Fakultät der Universität

Graz in Oesterreich. Zur Zeit Professor für katholische Weltanschauung an der freien Universität von

Berlin-Dahlem.

An diesem Sonntag wird auch mitgeteilt, dass der Pfarrbote nicht mehr erscheinen wird.

Am 22. Juni 1941 wird verkündigt, dass der Stillhaltekommissar einverstanden ist, dass die Sterbekasse

der Jungfrauenkongregation weiterbestehen darf, so dass die eingezahlten Beiträge nicht verloren sind. Ein

Verzeichnis der Mitglieder, die in die Sterbekasse eingezahlt haben, wird angefordert.

Am 10. August wird den Gläubigen verlesen, dass die Formulare für die Beitragsordnung d.h. für die

Erhebung der Kirchensteuer von denselben Frauen, die früher den Pfarrboten ausgetragen haben, den

Gläubigen zugestellt werden.

In einer Mitteilung vom Sonntag, dem 14. September heisst es, dass die Schwestern das Kinderheim

verlassen haben. Sie dürfen aber durch "freundliches" Entgegenkommen in der Pfarrei verbleiben und

stehen bei Tag und Nacht für die Krankenpflege zur Verfügung. Sie wohnen jetzt Schillerstrasse Nr. 5, 1.

Stockwerk, neben Bäcker Roth. (Aus der Michel Welterstrasse ist die Schillerstrasse geworden).

Am 14. Dezember 1941 wird die Mitteilung gemacht, dass bei Entwarnen vom Fliegeralarm nach

Mitternacht vor 10 Uhr morgens kein öffentlicher Gottesdienst stattfinden darf. Da der private

Gottesdienst kein öffentlicher Gottesdienst ist, wird die Messe von 7 Uhr als private Stillmesse gehalten.

Die Haupttüre der Kirche bleibt geschlossen, während die Seitentüre für die Gläubigen geöffnet wird. Der

Weihnachtsgottesdienst wird am Vorabend von Weihnachten um 5 Uhr beginnen.

Aus den Verkündigungen vom 26. April 1942 geht hervor, dass der neue Kaplan Felix Bürr eingetroffen ist

und dass er im Pfarrhaus wohnt. Felix Bürr ist Franziskaner aus der elsässisch-Iothringischen Provinz. Er

wird in seiner Opferbereitschaft und in seiner bescheidenen Freundlichkeit alle bösen Zeiten in St. Heinrich

überleben. Felix Bürr ist der Nachfolger von Kaplan Marcel Reding, der St. Heinrich wieder verlassen hat,

um seine Studien an der Universität Tübingen fortzusetzen.

Am 18. Oktober 1942 verkündet P. Damian die Anschaffung einer neuen Orgel, die von der Firma Pels aus

Holland geliefert werden soll.

Fast regelmässig kehren an den Sonntagen die Ermahnungen zum Bezahlen der Kirchensteuern wieder. In

manchmal bitteren Worten werden die Eltern aufgefordert, ihre Kinder regelmässig zum Besuch des

Religionsunterrichtes zu schicken.

Ueber die Einführung des Militärdienstes in Luxemburg (für eine Reihe von Jahrgängen) findet man nur

Andeutungen über den Weg der Messintentionen.

Am 17. Januar 1943 aber heisst es, dass wegen der sich häufenden Einberufungen zur Wehrmacht, wir in

Zukunft "mehr für unsere Soldaten beten müssen". Die Gleichsetzung der Luxemburger

Zwangsrekrutierten mit den deutschen Soldaten findet jedoch ein schlechtes

Echo. In den Verkündigungen vom 14. März 1934 wird darauf hingewiesen, dass bei

nachmitternächtiger Entwarnung von Fliegeralarm auch die Seitentüre geschlossen bleibt.

Am 12. September 1943 wird noch einmal ein scharfer Tadel an die Adresse der Eltern ausgesprochen

wegen des mangelhaften Besuches des Religionsunterrichtes und wegen der massiven Abwesenheit

der Kinder beim Erstbeichtunterricht. Eine enttäuschende Nachricht erfahren die Gläubigen von St.

Heinrich, als P. Damian ihnen am 14. Mai 1943 mitteilt, dass die neue Orgel zwar zu 3/4 fertig ist, dass

sie jedoch in absehbarer Zeit nicht geliefert werden kann. Einmal, weil es dem Orgelbauer Pels aus

Alkmaar in Holland am richtigen Material fehlt, um die Orgel zu vollenden, andererseits meint P.

Damian, dass es wegen der immer näher rückenden Bombengefahr nicht opportun sei, die Orgel jetzt

aufzurichten.' Das bereits gesammelte Geld ist allenfalls sichergestellt.

Am 3. September 1944 werden neue Klagen über den schlechten Besuch der hl. Messe und des

Religionsunterrichtes erhoben. Der Klostergarten ist vor herumstreifenden Marodeuren nicht mehr

sicher. Allenthalben Verfallserscheinungen einer Zeit, die ihrem Ende entgegengeht.

Am 8. Oktober 1944 verraten neue Schriftzüge im Verkündigungsbuch, dass wieder eine Wachablösung

in St. Heinrich stattgefunden hat. Rosenkranzsonntag wird gefeiert. Pfarrer M. Weber aus St, Joseph

hält die Festpredigt und' verkündet eine neue Aera für die Pfarrei.

Die Franziskaner verlassen St. Heinrich (1959)

I n den Nachkriegsjahren setzten die Luxemburger Franziskaner Patrice Diderich, Justin Godar und

lrenee Wilwert das Werk von Pater Raphael in seinem Geiste fort. Als Opfer seiner aufreibenden

Tätigkeit in St. Heinrich starb in jenen Jahren der noch jugendliche Pater Marcel Bohnert. Letzter

Franziskanerpfarrer von St. Heinrich war P. Irenee Wilwert, letzte Kapläne P. Cyprien Mainz und

Gonzaque Burr, letzter Franziskanerbruder Henri Rock, der während des Krieges in Frankreich eine

Rolle in der Resistenz gespielt hatte. Als Werk der Franziskaner gilt auch die Kapelle "Jesus Ouvrier" in

Raemerich.

Als die Berufe im Franziskanerorden abnahmen, drängte sich eine Konzentration des Personals auf,

das umsomehr, weil auf einmal die erhofften notwendigen Nachwuchskräfte aus Luxemburg ganz

ausfielen. In dieser Notlage beschloss der Franziskanerorden schweren Herzens, Kloster und Pfarrei St.

Heinrich aufzugeben, um sie dem Diozesanklerus zu überlassen. Still und unauffällig wie sie

gekommen, verliessen die letzten Franziskaner das so liebgewonnene Kloster und die Escher

Bevölkerung, die alle, die dort im Einsatz waren, bis zu ihrem Tode nicht mehr vergessen sollten.

Die Zusammenarbeit mit dem Escher Pfarrklerus war allzeit vorzüglich gewesen. Von diesem Willen

zur Zusammenarbeit auch auf der Seite des Pfarrklerus gibt Zeugnis ein Brief, den der neuernannte

Pfarrer von Esch St. Joseph, Dr. Nikolaus Weirich an Pater' Raphael schrieb. Dort heisst es: "Ich habe

nur den einen Wunsch mit Ihnen und zu gleicher Zeit mit H. Engler in der vollsten Harmonie

zusammen zu arbeiten. Wenn es meinem Willen gemäss gehen wird, so werden wir treu und fest

zusammenstehen und Esch leiten wie wenn es nur eine Pfarrei wäre.

Kapelle "Jesus-Ouvrier" in Raemerich. Eingeweiht am 1.5.53 mit Mgr. Leon Lommel. Pläne: Willy WeigeI. Ausführung: Die Einwohner von Raemerich mit Pfarrer Irenee Wilwert.

Sie sind der Aelteste von uns und bereits in Esch eingelebt; wir können also nur von Ihnen lernen und

von Ihren Erfahrungen profitieren. Ich werde in Esch nicht jeden Strohhalm sehen und stolpern, auch

vielleicht nicht einmal über eine Schiene, wenn sie im Wege liegt.

Ich hoffe, dass wir drei Pfarrer uns jeden Monat gemeinsam aussprechen und gemeinsame Richtlinien

festlegen werden. Man soll von Anfang an in Esch wissen, dass wir nur ein Herz und ein Wille sind

und dass die gesammte Geistlichkeit nur ein Ziel verfolgt, die grösste Ehre Gottes.

Ich will Ihnen ein guter Nachbar sein und wenn vielleicht gegenseitige Interessen in Konflikt kommen

sollen, so wollen wir uns als gereifte und verständige Menschen und besonders als Priester

aussprechen und dann findet sich immer eine Lösung."

Aus diesem Schreiben geht klar und deutlich der Wille zu einer "pastorale d'ensemble" auf dem Plan

der Stadt Esch hervor. Es spricht aber auch aus ihm ein Führungstalent, das bald in Esch zur Geltung

kommen wird, um auf eigenwillige Art und Weise, und doch in Zusammenarbeit kühne Pläne zu

realisieren.

Die Pfarrei wird vom Diozesanklerus übernommen. (1959)

Im Jahre 1959 wird die Pfarrei St. Heinrich vom Diözesanklerus übernommen und Herr Eugène

Kellner, langjähriger Vikar in Esch St. Joseph, zieht als neuer Pfarrer in St, Heinrich ein. Seit 12 Jahren

ist ihm als hingebender Mitarbeiter Herr Paul Metz zugeteilt. Nach langwierigen Verhandlungen

gelang es im Jahr 1962 durch die kluge und tatkräftige Unterstützung des Stadtschöffen Jean Kinsch,

die Besitzfrage des Gebäudekomplexes definitif zu regeln. Damit das Werk der Franziskaner nicht

verfallen sollte, nahm Pfarrer Kellner sofort die Renovierungsarbeiten mit grösster Energie in Angriff.

Schon im Februar 1962 begannen die Renovierungsarbeiten im Kloster durch die Escher

Stadtverwaltung. Im November 1964 wurde die Restaurierung der Kirche in Angriff genommen. Aus

der einstigen etwas farbigen Klosterkirche wurde ein grosser hell- und weisstrahlender Raum,

angepasst den Anforderungen einer neuen konziliaren Liturgie.

Ueber dem monumentalen Altarblock schwebt seit 1968 das eindrucksvolle Altarkreuz von Pr. Elmar

Hillebrand. Als Bischof Leo Lommel am 18. Mai 1969 die Konsekration des neuen Altars vornahm, war

es ihm gegönnt, nach der kirchlichen Feier in den renovierten einstigen Klostergebäuden an der

Einweihung des neuen Pfarrzentrums "Porte Ouverte - Rencontre" teilzunehmen. Eine dynamische, den

neuen Verhältnissen angepasste Seelsorge führt die Arbeit der unvergesslichen Franziskaner weiter,

mit denen Pfarrer Kellner immer im besten Einvernehmen blieb. Unter dem Titel "Familgeband"

erscheint alle 14 Tage das Pfarrblatt in 2000 Exemplaren . Viel wird auch in dieser Pfarrei getan für die

religiöse Erwachsenenbildung, hauptsächlich mit Hilfe der Strassburger Redemptoristen.

Pädagogische Abende über Kindererziehung und Ferienaufenthalte in den Bergen, sorgen für Geist 

und Leib der Kinder aus der Pfarrei St, Heinrich.

Madonna in St. Heinrich (um 1520)

Fünfzig Jahre sind seit dem Einzug der ersten Franziskaner in Esch verflossen und 45 Jahre seit der

Gründung der Pfarrei St, Heinrich. Die Franziskaner kamen und gingen wieder, sowie es das Los

pilgernder Mönche auf Erden ist. Ihre Arbeit aber lebt weiter in den Menschen. denen sie zeitweilig

alles waren, lebt weiter auch in dem Werk das sie geschaffen, das heute vom Weltklerus mit einer Schar

tapferer und hingebender Laien fortgesetzt wird.

Wenn ein Jubiläum ein Fest der Erinnerung ist, so möge es auch ein Fest der Dankbarkeit sein

gegenüber all denen die vor 50 Jahren mit diesem Werk begonnen und die Kraft, Gesundheit und

Leben mithineingebaut haben.

Bronzekreuz von Elmar Hillebrand

BIBLIOGRAPHIE.

1) P. Benadin Bender G.F.M., Pater Raphael Leguil, Alsatia 1938 25

2)Les Franciscains d'Esch, l'Eglise St. Henri et le Couvent des Franciscains à Esch/ Alzette, Imprimerie

St. Paul, Luxembourg

3)M. Weber, St. Heinrichskirche und Franziskanerkloster, Livre du Cinquantenaire de la Ville

d'Esch/Alzette 1956

4)Kurzgefasster Sitzungsbericht über die Stadtratssitzung vom 21.

Juli 1922

5)Dr. Leo Lommel, Die Wandmalereien der Franziskanerkirche in Esch/ Alzette, Luxemburger Wort

6)Archives de la Maison Provinciale des Franciscains a Metz

7)Archives de la Paroisse St. Henri à Esch.

50 JAHRE ST. HEINRICH, ESCH/ALZETTE

Rückblende der Franziskaner-Nachfolger

Nicht die Zahl der Jahre ist entscheidend bei der Bewertung einer Zeitspanne, sondern der Geist,

welcher diese Jahre geprägt hat. Der Grundstein zum Gebäudekomplex von St. Heinrich wurde zum

geistigen Träger der bewährten franziskanischen Deutung des Evangeliums. Franz von Assisi, der

bedürfnis- und anspruchslose Troubadour aus Umbrien hielt seinen Einzug in die Minettsmetropole,

in die Stadt der Gegensätze und Konfrontationen. In die eingefahrenen Gleise der herkömmlichen

Pfarrseelsorge sollte der freie und unkonventionelle Wind von Assisi, wehen. Etwas "Neues" und doch

nur etwas "Selbstverständliches" für den, der die Bergpredigt zur Richtschnur seines Christseins

nimmt. Die braunen Kutten und die nackten Füsse, welche anfangs Sensation im Stadtbild machten,

waren das äussere Zeichen für dieses "Neue". Im 12. Jahrhundert war es die Kleidung der armen,

ungebildeten und rechtlosen Landarbeiter mit denen Franz sich identifizierte. In unserer Zeit aber eine

anschauliche Mahnung das "Wesentliche" im Christsein nicht von billigem Rankenwerk überwuchern

zu lassen.

Heute, 50 Jahre danach, soll unser Rückblick von Anerkennung, Dankbarkeit und Freude getragen

sein.

Anerkennung ...

Mit der Errichtung des Gebäudekomplexes St. Heinrich wurde eine Initiative ergriffen, die damals

nicht selbstverständlich war.

Es gab nicht nur Beifall bei der Gründung. Aber die einfache und anspruchslose Kontaktnahme der

Pioniere mit der Bevölkerung entwaffnete mit den Jahren auch die verbissensten Gegner. Gewiss, die

Kirche wurde von der Hüttengesellschaft "Terres Rouges" erbaut, aber Kloster, Kirchturm und

Franziskusheim samt Inneneinrichtung wurden von unzähligen kleinen Spenden, die mühsam

zusammengerafft wurden, errichtet. Tombolas, Theaterabende, Bazare, Verkauf von Gemüse aus dem

Klostergarten usw. wurden organisiert, um die erforderlichen Mittel aufzubringen. Wahrhaftig, ein

Werk des Volkes und der mit ihm verbundenen Franziskussöhne.

Dankbarkeit ...

Der Gebäudekomplex St. Heinrich stand von Anfang an im Dienste der Seelsorge. Unermüdlich waren

Pater Raphael Lequil und seine Mitbrüder unterwegs, um in Volksmissionen, Exerzitien und

Einkehrtagen die Frohe Botschaft im Geiste des hl. Franziskus zu verkünden. Einfach anspruchslos

und leutselig eroberten die braunen Kuttenträger das Vertrauen von Menschen aus nah und fern.

Wieviele Menschen in Not Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung mit neuem Mut und Vertrauen die

diskrete Klosterpforte verliessen, ist nirgends niedergeschrieben. In Dankbarkeit wollen wir daran

zurückdenken.

Freude ...

Ja wir freuen uns aufrichtig an diesem Jubiläumstag über unsere kurze aber inhaltreiche geschichtliche

Vergangenheit. Allerdings, nicht reich im Sinne von sensationnellen Geschehnissen, sondern durch

den Geist des Poverello von Assisi, der sie getragen und geprägt hat. Das geistige Fundament das 1923

gelegt wurde, ist tief verankert im Leben und in der Erwartung der Pfarrangehörigen von St. Heinrich.

Deshalb wird die ganze Pfarrei sich freuen, die noch lebenden früheren Seelsorger am 28. Oktober in

ihrer Mitte begrüssen zu können und der bereits heimgegangenen in Dankbarkeit gedenken.

"Was du von den Vätern ererbt, erwirb es, um es zu besitzen". Wir wollen jedoch nicht bei der

Gründung stehenbleiben. Das wäre Verrat. Leben, das nicht wächst, verkümmert. Eine christliche

Gemeinschaft ist lebendig oder sie ist nicht. Weder starres Beharren auf dem Ueberlieferten noch

ängstliches Sorgen um die Vergangenheit entsprechen den Absichten der Gründer. Der Rückblick darf

den Ausblick nicht hindern, Im Gegenteil, aus der Vergangenheit wollen wir lernen, der Zukunft zu

begegnen. Und diese Zukunft heisst ganz einfach "Mensch". Ob jung oder alt, ob gläubig oder

ungläubig, ob gebildet oder ungebildet, ob arm oder reich, der einzelne Mensch, als einmaliges

Ebenbild Gottes auf der Suche nach seinem Urbild, muss Ausgang und Ziel des Suchens, Schaffens

und Betens unserer christlichen Gemeinschaft sein.

Möge die aktiv-lebendige Erinnerung an die franziskanische Gründerzeit immer in St. Heinrich

erhalten und gepflegt werden!

Denn nur am Geiste von Assisi können Kirche und Welt gesunden.

Eug. Kellner      Paul Metz

Comité d'Organisation

PROGRAMME EXECUTE PAR LA MAITRISE STE CECILE DE LA CATHEDRALE NOTRE·DAME DE LUXEMBOURG, Samedi, le 27 octobre 1973 à I'Eglise St, Henri d'Esch-sur-Alzette. Direction: René Ponchelet Aux Orgues: Albert Leblanc   Messe du soir à 19.00 heures  Entree Grand Choeur (orgues)  Chant de mèditation: Terre et ciel                                             Alleluia  Offertoire: Du hast 0 Herr Sanctus VIII Benedictus Communion: Schmücke dich Sortie: 0 Mamm le'f Mamm (cantique) et sortie Concert Spirituel vers 20.00 heures Ire Partie: Meditation: Les Mysteres du Salut Wachet auf (orgues et choeurs) Dies sanctificatus Choral: 0 Haupt voll Blut und Wunden (orgues)  Au bord des eaux Chretiens chantons arr. Vous etes sans pareille arr. Santus - Benedictus Veni créator IIe Partie: Tresor de la Musigue Sacree Ave Maris Stella (plein-chant / variations p, orgues ) Exsultate justi Vox dilecti                   P. du Mage  L Deiss R, Ponchelet  J,S, Bach A, Bruckner  J,S, Bach   A, Leblanc        J,S, Bach G.P, Palestrina  J.S, Bach CI. Goudimel  R. Jef J. Gelineau  J, Prieto L, van Beethoven     A, Leblanc L. Viadano  G.P. Palestrina Laudate coeli  Justorum animae  Ubi caritas o sacrum conviviurn  Alleluia, Beni soit Dieu  Toccata en si bemol   H. Benevoli  A. Salieri M. Durufle  D, Bartolucci  G, F, Haendel  C, Vierne PROGRAMME EXECUTE PAR LA CHORALE MIXTE ST. HENRI ET UN ENSEMBLE D'INSTRUMENTS A CUIVRE A LA MESSE PONTIFICALE DE COMMEMORATION Dimanche, le 28 octobre à 16.00 heures, Direction: Jos. Klosen Aux Orgues: J.P. Kinsch Gagliarda pour instruments ä vent Ein Haus voll Glorie schauet                                     arr, Jubiläumsmesse St. Heinrich (Ordinarium) Chant d'intercession "Kirchenweihmesse"  Offertoire: Locus iste Communion: 0 allerhöchste Speise (Choral) I nterlude: Choral fughette nach "Nun rufen alle Wälder" Action de grâces: Alleluja du "psaume 117"  Sortie: Präludium und Fuge in F moll aus der 8, Suite       Melchior Franck  P, Norbert Weber  Jos. Klosen P, Norbert Weber  Anton Bruckner  J,S. Bach J.S, Bach  G. Ph, Telemann  G. Fr, Haendel CONCERT SPI RITUEL EXECUTE PAR LA "CHORALE MUNICIPALE" DE BETTEMBOURG EN L'EGLISE ST, HENRI, ESCH/ALZ, Dimanche, le 11 novembre à 17.15 heures. Direction: Fernand Jung  Aux orgues: Pierre Draut Avant la messe: Stabat mater                                         Schubert pour soli, choeurs et orgues solistes: Bebv Kohl-Thommes, soprano        Vevant Arendt, tenor       Laurent Koster,                                    Pendant la messe de 18.00 heures:                              Wohin soll ich mich wenden                  Denn die Herrlichkeit Gottes  Ave Maria Heilig, heilig Ave verum Halleluja Schubert Haendel  Lambillotte  Schubert  Mozart  Haendel CharIes Reichling Mme M.J. Assa-Bludau  Victor Kayser Pierre Heuskin Jos. Klosen Roger Koemptgen  Hubert Kraemer  Emile Pleim Steil Theodore Les prêtres de la paroisse:  Abbé  Eug. Kellner abbé Paul Metz   président secretaire trésorier membre membre membre membre membre membre Up

Esch sur Alzette

Franziskusweg
Unterwegs mit dem Hl. Franziskus
Up
MITE D'ORGANISATION A LA JOIE D'INVITER TOUS LES PAROISSIENS ET AMIS DE SAINT HENRI A LA COMMEMORATION DU CINQUANTIEME ANNIVERSAIRE DE LA CONSECRATION DE L'EGLISE PAROISSIALE 28 OCTOBRE 1923 ESCH-SUR·ALZETTE SAMEDI 27 ET DIMANCHE 28 OCTOBRE 1973

Das Wort unseres Bischofs

Kirchen sind Zeichen

Kirchen sind Wegweiser zu Gott. Sie sind Quellen des göttlichen Lebens. Kirchen

sind Stätten menschlicher Begegnung und Gemeinschaft. Sie heben das Diesseits,

aufgefüllt aus Unerlöstheit, Mühe und Sorge, in die jenseitige Dimension und

damit in den wahren Frieden und die echte Freude.

Seit 50 Jahren leistet die Kirche Sankt Heinrich in Esch-Alzette diesen Dienst. Als

Ordenskirche der Franziskaner am 28. Oktober 1923 geweiht, wurde sie am 17.

Juli 1929 zur Pfarrkirche der eben gegründeten bischöflichen Pfarrei bestimmt. 30

Jahre später wurde sie mit dieser dem Weltklerus anvertraut und unter der

Leitung eines dynamischen Pfarrers und seiner aufgeschlossenen Mitarbeiter ganz

im Sinne des 11. Vatikanischen Konzils erneuert.

So hat man aus ihr den würdigen und angepassten Rahmen für das Volk Gottes

geschaffen, für jene Kirche, die "aus lebendigen Steinen erbaut" das allumfassende

Sakrament des Heils darstellt.

Möge die Kirche von Sankt Heinrich noch lange Jahre und möge sie immer mehr

zum wirksamen Strahlungspunkt für das Evangelium Christi werden! Möge Er

immer wieder in ihr gegenwärtig sein, um das grosse Werk der Erlösung voll zu

verwirklichen, "die Heiligung der Menschen und die Verherrlichung Gottes, auf die

alles Tun der Kirche als auf sein Ziel hinstrebt" (Vgl Vat. 11 Lit.-Konst. Nr. 10)1

Dann bliebe sie dem franziskanischen Geist ihres Ursprungs treu und aus der

gleichen Treue heraus stets offen für den Ruf des Heiligen Geistes, auch dem

Menschen von heute wie dem von morgen, wahrhaftige Kirche Christi zu sein,

Raum der Wahrheit und der Liebe, in dem er schon jetzt ein Stück wirklicher

Heimat findet.

Luxemburg, den 10. Oktober 1973

+ Jean Hengen

Bischof von Luxemburg

Zum 50. Jahrestag der Konsekration der St. Heinrich-Kirche in Esch/ Alzette am

28. Oktober 1923.

Aus der Geschichte des Klosters und der Pfarrei von Professor Edouard Molitor So begann es .

Vom 13.-17. April 1921 wurde in der Kathedrale von Luxemburg eine Mission

gepredigt als Vorbereitung auf das 250 jährige Jubiläum der Weihe der Stadt

Luxemburg an die Trösterin der Betrübten. Die Mission wurde abgehalten von den

3 Franziskanern Paul Wolfersperger, Vincent Gouth und Raphael Leguil: alle 3

aus der elsässisch-Iothringischen Provinz. Bischof Nommesch war durch diese

Mission so ausserordentlich beeindruckt, dass er die Franziskaner für die

Gründung einer Niederlassung in Luxemburg zu gewinnen suchte. Am Ende der

Mission verkündete er in aller Feierlichkeit: "Die Patres werden wiederkehren, um

immer bei uns zu bleiben." Besonders der begeisterungsfähige und redegewandte

P. Raphael hatte es dem Bischof von Luxemburg angetan. P. Raphael stammte

aus Contz im nahen Lothringen. Die Wurzeln der Familie gingen über die

Ländergrenze herüber ins Luxemburgische, so dass er über Land und Leute in

Luxemburg genau Bescheid wusste. Nach dem Willen des Bischofs sollten die

Franziskaner, die bis zur französischen Revolution so segensreich in Luxemburg,

Diekirch und Ulfingen gewirkt hattten, unter der Arbeiterbevölkerung in Esch

eingesetzt werden. Wie einst in früheren Jahrhunderten, so fanden sich Menschen,

die bereit waren, auf ihre Kosten den Franziskanern eine Kirche und ein Kloster in

Esch zu errichten. Es waren dies die Verantwortlichen der Gesellschaft Terres-

Rouges, die Bischof Nommesch und P. Raphael grossmütig entgegenkamen. Wie

immer, wenn ein grosses Werk entstehen soll, fehlte es auch nicht an solchen, die

dagegen Sturm liefen. Jemand meinte sogar, dass "die ganze Geschichte gegen die

Arbeiter gerichtet sei". Bürgermeister Wilhelm betonte allerdings, dass man

niemand, der die Legalität einhalte, hindern könne ein Haus zu bauen, das die

Form einer Kirche habe.

Die treibenden Kräfte für die Niederlassung der Franziskaner in Esch waren neben

Bischof Nommesch, P. Raphael, Mgr. Origer und nicht zuletzt der Klerus der

Stadt Esch, der zu dieser Seite der Stadt dringende Hilfe für die Seelsorge

brauchte. Treibende Kraft war auch Direktor Coqueugnot von Terres-Rouges, der

alsbald dem Verwaltungsrat der Gesellschaft unter Vorsitz von Herrn E.

Schneider (Creusot) den Plan vorlegen konnte. Der Verwaltungsrat war damit

einverstanden dass die Gesellschaft Kirche und Kloster errichten und an die

Franziskaner vermieten sollte. So kam es zu der ganz eigenen Situation, dass eine

moderne Grossindustrie, die Eisengruben und Hüttenwerke besass, auch noch

Besitzerin einer Kirche und eines Klosters wurde.

Die Grundsteinlegung

Herr Gross, Architekt der Gesellschaft "Terres-Rouges" arbeitete in kurzer Zeit

die Pläne aus. Den bei den Eschern Unternehmern l.efèvre und Ruckert wurden die

Bauarbeiten übertragen. Die Vorarbeiten wurden so schnell vorwärts getrieben,

dass bereits am 31. Juli 1922 die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Diese erste

Feier fand statt

unter grosser Anteilnahme der Escher Bevölkerung. Als Vertreter der Regierung

waren anwesend die Herren Staatsminister Emile Reuter und Generaldirektor

Raymond de Waha. Die Gesellschaft Terres - Rouges war vertreten durch Direktor

Coqueugnot, Generaldirektor Schock und Oberingenieur Erpelding. Mgr.

Nommesch, umgeben von Generalvikar Peiffer, Mgr. Origer, Dechant Bisdorff,

Pfarrer Kayser mit dem Escher Klerus, nahm die Einsegnung vor. In seiner Predigt

fand er herzliche Worte an die Adresse der Stadt Esch, der Gesellschaft Terres -

Rouges, der Franziskaner und aller Anwesenden. Die Kirche sollte dem heiligen

Heinrich geweiht werden als Erinnerung an den im Kriege als Flieger

umgekommenen Sohn Henri des Präsidenten E. Schneider. Das war der Anfang

einer Gründung, die über den Wechsel der Zeiten hinaus immer wieder die

schönsten Früchte gezeitigt hat.

Konsekration und Vollendung der Kirche.

Die ersten Franziskaner in Esch Am 30. August 1923 bezog P. Raphael mit den 3 Brüdern Aloyse, Yves und Julien die Klosterwohnung in Esch. Einige Tage später folgte P. Matthias Rumbach. Am 14. Oktober desselben Jahres wurden 2 Glocken konsekriert, die von der Gesellschaft Terres-Rouges gestiftet worden waren. Als Patinnen fungierten Madame G. Barbomson, Gattin des Präsidenten der Arbed, Madame Mollard, Gattin des französischen Gesandten in Luxemburg, daneben noch die Damen Schock und Erpelding. Staatsminister Emile Reuter, Herr Schneider, Präsident der Gesellschaft Terres-Rouges, die Herren Donnersbach und Weiss als Vertreter der Beamten und Arbeiter; standen Paten. P. Raphael, der die Festpredigt hielt, bewies bei dieser Gelegenheit, dass er nicht nur zum gewöhnlichen Volk, sondern auch zu hohen Herrschaften sprechen konnte. Grossmütig beschenkt wurden die nahezu 2000 anwesenden Kinder. Am 28. Oktober 1923, genau 14 Tage nach der Glockenweihe, wurde die Kirche selbst durch Mgr. Nommesch konsekriert. Der Provinzialkommissar P. Paul, umgeben von den Metzer

Franziskanern, feierte die erste hl. Messe in der neu konsekrierten Kirche.

Anwesend waren auch der Prinz von Luxemburg und der Nuntius Mgr. Micara.

Die im modernen romanischen Stil erbaute Kirche machte auf alle den besten

Eindruck. Die Fensterdekoration bezog sich in ihren Themen auf den hl. Heinrich,

die Arbeiterbevölkerung und auf die Franziskaner. Lehrlinge von Terres-Rouges

hatten die Schlosserarbeiten ausgeführt, während die Franziskanerbrüder die

Schreinerarbeiten besorgt hatten. Der aus Rustroff stammende Maler Engel hatte

die Entwürfe für die Kirchenfenster geliefert, die dann von der Firma Linster

ausgeführt wurden. Für das Franziskusjubiläum von 1926-27 liess P. Raphael die

Kirche durch den bestbekannten Kirchenmaler Nicolaus Brücher aus Elvingen mit

Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus und des Franziskanerordens dekorieren.

Das Volk hatte seine helle Freude an diesen farbenfrohen, frommen Bildern,

Seminarprofessor Leo Lommel schrieb damals in einer kleinen Monographie über

diese Bilder: Die St. Heinrichs Kirche besetzt heute in ihrem Innern ein Werk, das

sie für alle Zukunft zu einer Heimstätte echter religiöser Kunst weihen wird.",

Gründung der Pfarrei St. Heinrich.

Als im Mai 1927 die Gesellschaft Terres-Rouges mit dem Bau von 350

Arbeiterwohnungen begann, stellte sich das Problem der Arbeiterseelsorge in

akuter Weise. P. Raphael erreichte zunächst, dass St. Heinrich als Hilfskirche von

St. Joseph und zwar mit einem residierenden Kaplan erklärt wurde. Damit war

bereits der Anfang für eine wirkliche Pfarrei gemacht. Nach längeren und

gründlichen Verhandlungen mit den verschiedenen Instanzen wurde St. Heinrich

zu einer Pfarrei Päpstlichen Rechtes erhoben und den Franziskanern anvertraut.

Der erste Kaplan wurde auch der erste Pfarrer. Er hiess P. Raphael Leguil. Am 30.

September 1928 führte Bischof Nommesch P. Raphael in St. Heinrich ein. Am 27.

Oktober 1929 wurde das grosse und mächtige Vereinshaus St. Franziskus feierlich

eingeweiht, wobei Kammerpräsiden E. Reuter die Festrede hielt. Im Jahre 1934

erfolgte die Einweihung des "Foyer Ste Elisabeth", ein Jahr später die

Grundsteinlegung des Hauptturmes. Die Weihe der 4 neuen Glocken für diesen

Turm wurde im Jahre 1937 vorgenommen. Erst 1948 konnte die Firma Pels aus

Holland, die von P. Damian bestellte Orgel liefern.

Franziskanische Seelsorge.

In diesen äusseren Rahmen aus Stein spannte P. Raphael nach und nach eine

innere Organisation ein, die damals für eine gedeihliche Seelsorge notwendig war.

Schon gleich nach der Vollendung der Kirche war ein Männer- und Knabenchor ins

Leben gerufen worden. Nach Errichtung der Pfarrei kamen andere Vereine hinzu.

Im November 1929 entstand ein katholischer Männerverein. Im Dezember 1929 ein

Ouvroir für karitative Zwecke. I m Januar 1930 wurde eine Scouts-Sektion ins

Leben gerufen. Im Juni 1931 sogar eine eucharistische Männer und

Jünglingssektion.

Die Seelsorge war aufgebaut auf eine echt franziskanische Frömmigkeit die auch

alles tat, um den Kindern entgegenzukommen. Ein eucharistischer Kinderkreuzzug

wurde eingeleitet, dem sich zeitweilig P. Willibrord Rumé, einst Professor am

Priesterseminar in Luxemburg, widmete. Alle Feste des hl. Franziskus wurden mit

grosser Feierlichkeit begangen. Besonders hoch in Ehren stand die Andacht zum

hl. Antonius von Padua. Franziskanische Frömmigkeit wurde auch über den Weg

des 3. Ordens unter den Erwachsenen gepflegt. P. Raphael wusste auch um den

Wert der Hausbesuche, die er, trotz seiner aufreibenden Tätigkeit, nie aus dem

Auge verlor. Durch diese Besuche lernte er zahlreiche Escher Familien persönlich

kennen. Bei all dieser Arbeit, dieser Begeisterung wirkten periodisch gemachte

Statistiken über den Besuch des Gottesdienstes sehr ernüchternd. Das aber war

noch immer so.

Abschied und Tod von P. Raphael.

Im Jahre 1935 fand in Metz das grosse Kapitel der Franziskaner statt, auf dem ein

neuer Provinzial gewählt werden sollte. Die Wahl fiel auf P. Raphael. Nach einem

herzergreifenden Abschied in St. Heinrich begab sich P. Raphael nach Metz, um

seinen schweren und verantwortungsvollen Posten zu übernehmen. Obschon er

durch harte schonungslose Arbeit seine Gesundheit schwer angeschlagen hatte,

begann er bald wieder seine Missionstätigkeit. Vom 7.-15. März 1936 predigte er

unter grossem Zulauf der Bevölkerung eine Mission in der alten

Franziskanerkirche in Ulflingen. Die Begrüssungs- und Dankesrede des

Bürgermeisters nahm er mit ins Archiv der Provinz. Vom 17.- 23. März hielt er

noch Exerzitien für die Oberinnen aus der Kongregation der hl. Elisabeth in

Luxemburg. Schon am Morgen des 26. März erlag er in Metz seinem schweren und

hartnäckigen Leiden im Alter von 59 Jahren.

Die Zeitungen von Metz bis Strasburg waren zu klein, um das Werk des armen

Franziskaners zu schildern. Im "Luxemburger Wort" widmete Mgr. Origer seinem

Freund einen langen tiefempfundenen Nachruf. Im Volke wurde er mit dem

Redemptoristen Pater Zobel verglichen. Dann ging er in die Legende ein. Auf P.

Raphael folgte in St. Heinrich P. Aloyse Leininger und von 1938-1941 P. Andre

Dier. Als im März 1941 die Franziskaner aus Esch vertrieben wurden, war der

älteste Vikar aus St. Joseph, Matthias Peters als Pfarrverwalter für St. Heinrich

vorgesehen. Weil jedoch die Pfarrei Päpstlichen Rechtes war, konnte die Diozese

nicht darüber verfügen wie sie wollte. 50 blieb P. Damian Helmke für die Zeit des

Krieges Ersatzpfarrer in St, Heinrich.

Aus der Kriegschronik von St, Heinrich (1940-44).

Am Sonntag vom 5. Mai in der Oktave von Christi Himmelfahrt stehen im

Ausrufungsbuch die Verkündigungen über die Feier des kommenden Pfingstfestes

in St. Heinrich. Dieses Pfingstfest wurde nie in St. Heinrich. gefeiert. Am 10. Mai,

am Freitag vor Pfingsten brach der Krieg mit seinen Schrecken über die Stadt

herein, zerstreute die Bevölkerung und machte dem Pfarrleben auf Monaten ein

Ende. Nach einer Unterbrechung von mehr als 2 Monaten setzte allmählich der

normale Pfarrbetrieb wieder ein.

Am 21. Juli, dem 10. Sonntag nach Pfingsten, werden die Verkündigungen im

Ausrufungsbuch wieder fortgesetzt. Es wird hier besonders darauf hingewiesen,

dass wegen der notwendigen Eintragung in die Kirchenregister die Namen der in

der Zwischenzeit Verstorbenen und Getauften angegeben werden sollten. Aus

kurzen Andeutungen an den nachfolgenden Sonntagen geht hervor, dass das

Vereinsleben nach und nach erdrosselt wird. Einstweilen wird die Pfarrei noch

von P. Andre Dier weitergeführt. Am 16. März 1941 setzt jedoch ei ne andere

Schrift die Verkündigungen fort. Die Franziskaner sind kurz vorher verjagt und

ausgewiesen worden. Einzig und allein zurückgeblieben ist der deutsche Pater

Damian Helmke. Im Verkündigungsbuch lesen wir, dass einstweilen die

Sonntagspredigt ausfällt, bis wieder geordnete Verhältnisse in die Pfarrei

zurückgekehrt sind. Desgleichen wird mitgeteilt, dass mit Zustimmung des

Bischofs der Pater das Ordenskleid ablegen und die Kleidung des Weltgeistlichen

tragen wird. Am Schlusse der Verkündigungen wird vermerkt, dass das Gesetzt

vom 9. Dezember 1940 über die Kirchensteuer am 1. Juli in Kraft treten wird. Am

Sonntag, den 4. Mai teilt P. Damian mit, dass er vom 11.-18. Mai abwesend sein

wird, dass jedoch der Kaplan ihn ersetzen wird. Dieser wohnt im Kloster und

wird an der Pforte die Bestellungen entgegennehmen. Es handelt sich hier um den

späteren Universitätsprofessor Dr. Marcel Reding. Zuerst Professor an der

theologischen Fakultät der Universität Graz in Oesterreich. Zur Zeit Professor

für katholische Weltanschauung an der freien Universität von Berlin-Dahlem.

An diesem Sonntag wird auch mitgeteilt, dass der Pfarrbote nicht mehr erscheinen

wird.

Am 22. Juni 1941 wird verkündigt, dass der Stillhaltekommissar einverstanden

ist, dass die Sterbekasse der Jungfrauenkongregation weiterbestehen darf, so dass

die eingezahlten Beiträge nicht verloren sind. Ein Verzeichnis der Mitglieder, die

in die Sterbekasse eingezahlt haben, wird angefordert.

Am 10. August wird den Gläubigen verlesen, dass die Formulare für die

Beitragsordnung d.h. für die Erhebung der Kirchensteuer von denselben Frauen, die

früher den Pfarrboten ausgetragen haben, den Gläubigen zugestellt werden.

In einer Mitteilung vom Sonntag, dem 14. September heisst es, dass die

Schwestern das Kinderheim verlassen haben. Sie dürfen aber durch "freundliches"

Entgegenkommen in der Pfarrei verbleiben und stehen bei Tag und Nacht für die

Krankenpflege zur Verfügung. Sie wohnen jetzt Schillerstrasse Nr. 5, 1. Stockwerk,

neben Bäcker Roth. (Aus der Michel Welterstrasse ist die Schillerstrasse

geworden).

Am 14. Dezember 1941 wird die Mitteilung gemacht, dass bei Entwarnen vom

Fliegeralarm nach Mitternacht vor 10 Uhr morgens kein öffentlicher Gottesdienst

stattfinden darf. Da der private Gottesdienst kein öffentlicher Gottesdienst ist,

wird die Messe von 7 Uhr als private Stillmesse gehalten. Die Haupttüre der

Kirche bleibt geschlossen, während die Seitentüre für die Gläubigen geöffnet wird.

Der Weihnachtsgottesdienst wird am Vorabend von Weihnachten um 5 Uhr

beginnen.

Aus den Verkündigungen vom 26. April 1942 geht hervor, dass der neue Kaplan

Felix Bürr eingetroffen ist und dass er im Pfarrhaus wohnt. Felix Bürr ist

Franziskaner aus der elsässisch-Iothringischen Provinz. Er wird in seiner

Opferbereitschaft und in seiner bescheidenen Freundlichkeit alle bösen Zeiten in

St. Heinrich überleben. Felix Bürr ist der Nachfolger von Kaplan Marcel Reding,

der St. Heinrich wieder verlassen hat, um seine Studien an der Universität

Tübingen fortzusetzen.

Am 18. Oktober 1942 verkündet P. Damian die Anschaffung einer neuen Orgel, die

von der Firma Pels aus Holland geliefert werden soll.

Fast regelmässig kehren an den Sonntagen die Ermahnungen zum Bezahlen der

Kirchensteuern wieder. In manchmal bitteren Worten werden die Eltern

aufgefordert, ihre Kinder regelmässig zum Besuch des Religionsunterrichtes zu

schicken.

Ueber die Einführung des Militärdienstes in Luxemburg (für eine Reihe von

Jahrgängen) findet man nur Andeutungen über den Weg der Messintentionen.

Am 17. Januar 1943 aber heisst es, dass wegen der sich häufenden Einberufungen

zur Wehrmacht, wir in Zukunft "mehr für unsere Soldaten beten müssen". Die

Gleichsetzung der Luxemburger Zwangsrekrutierten mit den deutschen Soldaten

findet jedoch ein schlechtes

Echo. In den Verkündigungen vom 14. März 1934 wird darauf hingewiesen,

dass bei nachmitternächtiger Entwarnung von Fliegeralarm auch die Seitentüre

geschlossen bleibt.

Am 12. September 1943 wird noch einmal ein scharfer Tadel an die Adresse der

Eltern ausgesprochen wegen des mangelhaften Besuches des

Religionsunterrichtes und wegen der massiven Abwesenheit der Kinder beim

Erstbeichtunterricht. Eine enttäuschende Nachricht erfahren die Gläubigen von

St. Heinrich, als P. Damian ihnen am 14. Mai 1943 mitteilt, dass die neue Orgel

zwar zu 3/4 fertig ist, dass sie jedoch in absehbarer Zeit nicht geliefert werden

kann. Einmal, weil es dem Orgelbauer Pels aus Alkmaar in Holland am

richtigen Material fehlt, um die Orgel zu vollenden, andererseits meint P.

Damian, dass es wegen der immer näher rückenden Bombengefahr nicht

opportun sei, die Orgel jetzt aufzurichten.' Das bereits gesammelte Geld ist

allenfalls sichergestellt.

Am 3. September 1944 werden neue Klagen über den schlechten Besuch der hl.

Messe und des Religionsunterrichtes erhoben. Der Klostergarten ist vor

herumstreifenden Marodeuren nicht mehr sicher. Allenthalben

Verfallserscheinungen einer Zeit, die ihrem Ende entgegengeht.

Am 8. Oktober 1944 verraten neue Schriftzüge im Verkündigungsbuch, dass

wieder eine Wachablösung in St. Heinrich stattgefunden hat.

Rosenkranzsonntag wird gefeiert. Pfarrer M. Weber aus St, Joseph hält die

Festpredigt und' verkündet eine neue Aera für die Pfarrei.

Die Franziskaner verlassen St. Heinrich (1959)

I n den Nachkriegsjahren setzten die Luxemburger Franziskaner Patrice

Diderich, Justin Godar und lrenee Wilwert das Werk von Pater Raphael in

seinem Geiste fort. Als Opfer seiner aufreibenden Tätigkeit in St. Heinrich

starb in jenen Jahren der noch jugendliche Pater Marcel Bohnert. Letzter

Franziskanerpfarrer von St. Heinrich war P. Irenee Wilwert, letzte Kapläne P.

Cyprien Mainz und Gonzaque Burr, letzter Franziskanerbruder Henri Rock,

der während des Krieges in Frankreich eine Rolle in der Resistenz gespielt

hatte. Als Werk der Franziskaner gilt auch die Kapelle "Jesus Ouvrier" in

Raemerich.

Als die Berufe im Franziskanerorden abnahmen, drängte sich eine

Konzentration des Personals auf, das umsomehr, weil auf einmal die erhofften

notwendigen Nachwuchskräfte aus Luxemburg ganz ausfielen. In dieser

Notlage beschloss der Franziskanerorden schweren Herzens, Kloster und

Pfarrei St. Heinrich aufzugeben, um sie dem Diozesanklerus zu überlassen.

Still und unauffällig wie sie gekommen, verliessen die letzten Franziskaner

das so liebgewonnene Kloster und die Escher Bevölkerung, die alle, die dort im

Einsatz waren, bis zu ihrem Tode nicht mehr vergessen sollten.

Die Zusammenarbeit mit dem Escher Pfarrklerus war allzeit vorzüglich

gewesen. Von diesem Willen zur Zusammenarbeit auch auf der Seite des

Pfarrklerus gibt Zeugnis ein Brief, den der neuernannte Pfarrer von Esch St.

Joseph, Dr. Nikolaus Weirich an Pater' Raphael schrieb. Dort heisst es: "Ich

habe nur den einen Wunsch mit Ihnen und zu gleicher Zeit mit H. Engler in der

vollsten Harmonie zusammen zu arbeiten. Wenn es meinem Willen gemäss

gehen wird, so werden wir treu und fest zusammenstehen und Esch leiten wie

wenn es nur eine Pfarrei wäre.

Kapelle "Jesus-Ouvrier" in Raemerich. Eingeweiht am 1.5.53 mit Mgr. Leon Lommel. Pläne: Willy WeigeI. Ausführung: Die Einwohner von Raemerich mit Pfarrer Irenee Wilwert.

Sie sind der Aelteste von uns und bereits in Esch eingelebt; wir können also

nur von Ihnen lernen und von Ihren Erfahrungen profitieren. Ich werde in Esch

nicht jeden Strohhalm sehen und stolpern, auch vielleicht nicht einmal über

eine Schiene, wenn sie im Wege liegt.

Ich hoffe, dass wir drei Pfarrer uns jeden Monat gemeinsam aussprechen und

gemeinsame Richtlinien festlegen werden. Man soll von Anfang an in Esch

wissen, dass wir nur ein Herz und ein Wille sind und dass die gesammte

Geistlichkeit nur ein Ziel verfolgt, die grösste Ehre Gottes.

Ich will Ihnen ein guter Nachbar sein und wenn vielleicht gegenseitige

Interessen in Konflikt kommen sollen, so wollen wir uns als gereifte und

verständige Menschen und besonders als Priester aussprechen und dann findet

sich immer eine Lösung."

Aus diesem Schreiben geht klar und deutlich der Wille zu einer "pastorale

d'ensemble" auf dem Plan der Stadt Esch hervor. Es spricht aber auch aus ihm

ein Führungstalent, das bald in Esch zur Geltung kommen wird, um auf

eigenwillige Art und Weise, und doch in Zusammenarbeit kühne Pläne zu

realisieren.

Die Pfarrei wird vom Diozesanklerus übernommen. (1959)

Im Jahre 1959 wird die Pfarrei St. Heinrich vom Diözesanklerus übernommen

und Herr Eugène Kellner, langjähriger Vikar in Esch St. Joseph, zieht als neuer

Pfarrer in St, Heinrich ein. Seit 12 Jahren ist ihm als hingebender Mitarbeiter

Herr Paul Metz zugeteilt. Nach langwierigen Verhandlungen gelang es im Jahr

1962 durch die kluge und tatkräftige Unterstützung des Stadtschöffen Jean

Kinsch, die Besitzfrage des Gebäudekomplexes definitif zu regeln. Damit das

Werk der Franziskaner nicht verfallen sollte, nahm Pfarrer Kellner sofort die

Renovierungsarbeiten mit grösster Energie in Angriff.

Schon im Februar 1962 begannen die Renovierungsarbeiten im Kloster durch

die Escher Stadtverwaltung. Im November 1964 wurde die Restaurierung der

Kirche in Angriff genommen. Aus der einstigen etwas farbigen Klosterkirche

wurde ein grosser hell- und weisstrahlender Raum, angepasst den

Anforderungen einer neuen konziliaren Liturgie.

Ueber dem monumentalen Altarblock schwebt seit 1968 das eindrucksvolle

Altarkreuz von Pr. Elmar Hillebrand. Als Bischof Leo Lommel am 18. Mai 1969

die Konsekration des neuen Altars vornahm, war es ihm gegönnt, nach der

kirchlichen Feier in den renovierten einstigen Klostergebäuden an der

Einweihung des neuen Pfarrzentrums "Porte Ouverte - Rencontre"

teilzunehmen. Eine dynamische, den neuen Verhältnissen angepasste Seelsorge

führt die Arbeit der unvergesslichen Franziskaner weiter, mit denen Pfarrer

Kellner immer im besten Einvernehmen blieb. Unter dem Titel "Familgeband"

erscheint alle 14 Tage das Pfarrblatt in 2000 Exemplaren . Viel wird auch in

dieser Pfarrei getan für die religiöse Erwachsenenbildung, hauptsächlich mit

Hilfe der Strassburger Redemptoristen. Pädagogische Abende über

Kindererziehung und Ferienaufenthalte in den Bergen, sorgen für Geist  und

Leib der Kinder aus der Pfarrei St, Heinrich.

Madonna in St. Heinrich (um 1520)

Fünfzig Jahre sind seit dem Einzug der ersten Franziskaner in Esch verflossen

und 45 Jahre seit der Gründung der Pfarrei St, Heinrich. Die Franziskaner

kamen und gingen wieder, sowie es das Los pilgernder Mönche auf Erden ist.

Ihre Arbeit aber lebt weiter in den Menschen. denen sie zeitweilig alles waren,

lebt weiter auch in dem Werk das sie geschaffen, das heute vom Weltklerus mit

einer Schar tapferer und hingebender Laien fortgesetzt wird.

Wenn ein Jubiläum ein Fest der Erinnerung ist, so möge es auch ein Fest der

Dankbarkeit sein gegenüber all denen die vor 50 Jahren mit diesem Werk

begonnen und die Kraft, Gesundheit und Leben mithineingebaut haben.

Bronzekreuz von Elmar Hillebrand

BIBLIOGRAPHIE.

1) P. Benadin Bender G.F.M., Pater Raphael Leguil, Alsatia 1938 25

2)Les Franciscains d'Esch, l'Eglise St. Henri et le Couvent des Franciscains à

Esch/ Alzette, Imprimerie St. Paul, Luxembourg

3)M. Weber, St. Heinrichskirche und Franziskanerkloster, Livre du

Cinquantenaire de la Ville d'Esch/Alzette 1956

4)Kurzgefasster Sitzungsbericht über die Stadtratssitzung vom 21.

Juli 1922

5)Dr. Leo Lommel, Die Wandmalereien der Franziskanerkirche in Esch/ Alzette,

Luxemburger Wort

6)Archives de la Maison Provinciale des Franciscains a Metz

7)Archives de la Paroisse St. Henri à Esch.

50 JAHRE ST. HEINRICH, ESCH/ALZETTE

Rückblende der Franziskaner-Nachfolger

Nicht die Zahl der Jahre ist entscheidend bei der Bewertung einer Zeitspanne,

sondern der Geist, welcher diese Jahre geprägt hat. Der Grundstein zum

Gebäudekomplex von St. Heinrich wurde zum geistigen Träger der bewährten

franziskanischen Deutung des Evangeliums. Franz von Assisi, der bedürfnis-

und anspruchslose Troubadour aus Umbrien hielt seinen Einzug in die

Minettsmetropole, in die Stadt der Gegensätze und Konfrontationen. In die

eingefahrenen Gleise der herkömmlichen Pfarrseelsorge sollte der freie und

unkonventionelle Wind von Assisi, wehen. Etwas "Neues" und doch nur etwas

"Selbstverständliches" für den, der die Bergpredigt zur Richtschnur seines

Christseins nimmt. Die braunen Kutten und die nackten Füsse, welche anfangs

Sensation im Stadtbild machten, waren das äussere Zeichen für dieses "Neue".

Im 12. Jahrhundert war es die Kleidung der armen, ungebildeten und

rechtlosen Landarbeiter mit denen Franz sich identifizierte. In unserer Zeit

aber eine anschauliche Mahnung das "Wesentliche" im Christsein nicht von

billigem Rankenwerk überwuchern zu lassen.

Heute, 50 Jahre danach, soll unser Rückblick von Anerkennung, Dankbarkeit

und Freude getragen sein.

Anerkennung ...

Mit der Errichtung des Gebäudekomplexes St. Heinrich wurde eine Initiative

ergriffen, die damals nicht selbstverständlich war.

Es gab nicht nur Beifall bei der Gründung. Aber die einfache und

anspruchslose Kontaktnahme der Pioniere mit der Bevölkerung entwaffnete

mit den Jahren auch die verbissensten Gegner. Gewiss, die Kirche wurde von

der Hüttengesellschaft "Terres Rouges" erbaut, aber Kloster, Kirchturm und

Franziskusheim samt Inneneinrichtung wurden von unzähligen kleinen

Spenden, die mühsam zusammengerafft wurden, errichtet. Tombolas,

Theaterabende, Bazare, Verkauf von Gemüse aus dem Klostergarten usw.

wurden organisiert, um die erforderlichen Mittel aufzubringen. Wahrhaftig,

ein Werk des Volkes und der mit ihm verbundenen Franziskussöhne.

Dankbarkeit ...

Der Gebäudekomplex St. Heinrich stand von Anfang an im Dienste der

Seelsorge. Unermüdlich waren Pater Raphael Lequil und seine Mitbrüder

unterwegs, um in Volksmissionen, Exerzitien und Einkehrtagen die Frohe

Botschaft im Geiste des hl. Franziskus zu verkünden. Einfach anspruchslos und

leutselig eroberten die braunen Kuttenträger das Vertrauen von Menschen aus

nah und fern. Wieviele Menschen in Not Hoffnungslosigkeit und

Verzweiflung mit neuem Mut und Vertrauen die diskrete Klosterpforte

verliessen, ist nirgends niedergeschrieben. In Dankbarkeit wollen wir daran

zurückdenken.

Freude ...

Ja wir freuen uns aufrichtig an diesem Jubiläumstag über unsere kurze aber

inhaltreiche geschichtliche Vergangenheit. Allerdings, nicht reich im Sinne von

sensationnellen Geschehnissen, sondern durch den Geist des Poverello von

Assisi, der sie getragen und geprägt hat. Das geistige Fundament das 1923

gelegt wurde, ist tief verankert im Leben und in der Erwartung der

Pfarrangehörigen von St. Heinrich. Deshalb wird die ganze Pfarrei sich freuen,

die noch lebenden früheren Seelsorger am 28. Oktober in ihrer Mitte begrüssen

zu können und der bereits heimgegangenen in Dankbarkeit gedenken.

"Was du von den Vätern ererbt, erwirb es, um es zu besitzen". Wir wollen

jedoch nicht bei der Gründung stehenbleiben. Das wäre Verrat. Leben, das

nicht wächst, verkümmert. Eine christliche Gemeinschaft ist lebendig oder sie

ist nicht. Weder starres Beharren auf dem Ueberlieferten noch ängstliches

Sorgen um die Vergangenheit entsprechen den Absichten der Gründer. Der

Rückblick darf den Ausblick nicht hindern, Im Gegenteil, aus der

Vergangenheit wollen wir lernen, der Zukunft zu begegnen. Und diese

Zukunft heisst ganz einfach "Mensch". Ob jung oder alt, ob gläubig oder

ungläubig, ob gebildet oder ungebildet, ob arm oder reich, der einzelne

Mensch, als einmaliges Ebenbild Gottes auf der Suche nach seinem Urbild,

muss Ausgang und Ziel des Suchens, Schaffens und Betens unserer christlichen

Gemeinschaft sein.

Möge die aktiv-lebendige Erinnerung an die franziskanische Gründerzeit

immer in St. Heinrich erhalten und gepflegt werden!

Denn nur am Geiste von Assisi können Kirche und Welt gesunden.

Eug. Kellner      Paul Metz

Comité d'Organisation

PROGRAMME EXECUTE PAR LA MAITRISE STE CECILE DE LA CATHEDRALE NOTRE·DAME DE LUXEMBOURG, Samedi, le 27 octobre 1973 à I'Eglise St, Henri d'Esch-sur-Alzette. Direction: René Ponchelet Aux Orgues: Albert Leblanc   Messe du soir à 19.00 heures  Entree Grand Choeur (orgues)  Chant de mèditation: Terre et ciel                                             Alleluia  Offertoire: Du hast 0 Herr Sanctus VIII Benedictus Communion: Schmücke dich Sortie: 0 Mamm le'f Mamm (cantique) et sortie Concert Spirituel vers 20.00 heures Ire Partie: Meditation: Les Mysteres du Salut Wachet auf (orgues et choeurs) Dies sanctificatus Choral: 0 Haupt voll Blut und Wunden (orgues)  Au bord des eaux Chretiens chantons arr. Vous etes sans pareille arr. Santus - Benedictus Veni créator IIe Partie: Tresor de la Musigue Sacree Ave Maris Stella (plein-chant / variations p, orgues ) Exsultate justi Vox dilecti                   P. du Mage  L Deiss R, Ponchelet  J,S, Bach A, Bruckner  J,S, Bach   A, Leblanc        J,S, Bach G.P, Palestrina  J.S, Bach CI. Goudimel  R. Jef J. Gelineau  J, Prieto L, van Beethoven     A, Leblanc L. Viadano  G.P. Palestrina Laudate coeli  Justorum animae  Ubi caritas o sacrum conviviurn  Alleluia, Beni soit Dieu  Toccata en si bemol   H. Benevoli  A. Salieri M. Durufle  D, Bartolucci  G, F, Haendel  C, Vierne PROGRAMME EXECUTE PAR LA CHORALE MIXTE ST. HENRI ET UN ENSEMBLE D'INSTRUMENTS A CUIVRE A LA MESSE PONTIFICALE DE COMMEMORATION Dimanche, le 28 octobre à 16.00 heures, Direction: Jos. Klosen Aux Orgues: J.P. Kinsch Gagliarda pour instruments ä vent Ein Haus voll Glorie schauet                                     arr, Jubiläumsmesse St. Heinrich (Ordinarium) Chant d'intercession "Kirchenweihmesse"  Offertoire: Locus iste Communion: 0 allerhöchste Speise (Choral) I nterlude: Choral fughette nach "Nun rufen alle Wälder" Action de grâces: Alleluja du "psaume 117"  Sortie: Präludium und Fuge in F moll aus der 8, Suite       Melchior Franck  P, Norbert Weber  Jos. Klosen P, Norbert Weber  Anton Bruckner  J,S. Bach J.S, Bach  G. Ph, Telemann  G. Fr, Haendel CONCERT SPI RITUEL EXECUTE PAR LA "CHORALE MUNICIPALE" DE BETTEMBOURG EN L'EGLISE ST, HENRI, ESCH/ALZ, Dimanche, le 11 novembre à 17.15 heures. Direction: Fernand Jung  Aux orgues: Pierre Draut Avant la messe: Stabat mater                                         Schubert pour soli, choeurs et orgues solistes: Bebv Kohl-Thommes, soprano        Vevant Arendt, tenor       Laurent Koster,                                    Pendant la messe de 18.00 heures:                              Wohin soll ich mich wenden                  Denn die Herrlichkeit Gottes  Ave Maria Heilig, heilig Ave verum Halleluja Schubert Haendel  Lambillotte  Schubert  Mozart  Haendel CharIes Reichling Mme M.J. Assa-Bludau  Victor Kayser Pierre Heuskin Jos. Klosen Roger Koemptgen  Hubert Kraemer  Emile Pleim Steil Theodore Les prêtres de la paroisse:  Abbé  Eug. Kellner abbé Paul Metz   président secretaire trésorier membre membre membre membre membre membre

Esch sur Alzette

MITE D'ORGANISATION A LA JOIE D'INVITER TOUS LES PAROISSIENS ET AMIS DE SAINT HENRI A LA COMMEMORATION DU CINQUANTIEME ANNIVERSAIRE DE LA CONSECRATION DE L'EGLISE PAROISSIALE 28 OCTOBRE 1923 ESCH-SUR·ALZETTE SAMEDI 27 ET DIMANCHE 28 OCTOBRE 1973

Das Wort unseres Bischofs

Kirchen sind Zeichen

Kirchen sind Wegweiser zu Gott. Sie sind Quellen des göttlichen

Lebens. Kirchen sind Stätten menschlicher Begegnung und

Gemeinschaft. Sie heben das Diesseits, aufgefüllt aus

Unerlöstheit, Mühe und Sorge, in die jenseitige Dimension und

damit in den wahren Frieden und die echte Freude.

Seit 50 Jahren leistet die Kirche Sankt Heinrich in Esch-Alzette

diesen Dienst. Als Ordenskirche der Franziskaner am 28. Oktober

1923 geweiht, wurde sie am 17. Juli 1929 zur Pfarrkirche der eben

gegründeten bischöflichen Pfarrei bestimmt. 30 Jahre später

wurde sie mit dieser dem Weltklerus anvertraut und unter der

Leitung eines dynamischen Pfarrers und seiner aufgeschlossenen

Mitarbeiter ganz im Sinne des 11. Vatikanischen Konzils erneuert.

So hat man aus ihr den würdigen und angepassten Rahmen für

das Volk Gottes geschaffen, für jene Kirche, die "aus lebendigen

Steinen erbaut" das allumfassende Sakrament des Heils darstellt.

Möge die Kirche von Sankt Heinrich noch lange Jahre und möge

sie immer mehr zum wirksamen Strahlungspunkt für das

Evangelium Christi werden! Möge Er immer wieder in ihr

gegenwärtig sein, um das grosse Werk der Erlösung voll zu

verwirklichen, "die Heiligung der Menschen und die

Verherrlichung Gottes, auf die alles Tun der Kirche als auf sein

Ziel hinstrebt" (Vgl Vat. 11 Lit.-Konst. Nr. 10)1 Dann bliebe sie

dem franziskanischen Geist ihres Ursprungs treu und aus der

gleichen Treue heraus stets offen für den Ruf des Heiligen Geistes,

auch dem Menschen von heute wie dem von morgen, wahrhaftige

Kirche Christi zu sein, Raum der Wahrheit und der Liebe, in dem

er schon jetzt ein Stück wirklicher Heimat findet.

Luxemburg, den 10. Oktober 1973

+ Jean Hengen

Bischof von Luxemburg

Zum 50. Jahrestag der Konsekration der St. Heinrich-Kirche in

Esch/ Alzette am 28. Oktober 1923.

Aus der Geschichte des Klosters und der Pfarrei von Professor Edouard Molitor So begann es .

Vom 13.-17. April 1921 wurde in der Kathedrale von Luxemburg

eine Mission gepredigt als Vorbereitung auf das 250 jährige

Jubiläum der Weihe der Stadt Luxemburg an die Trösterin der

Betrübten. Die Mission wurde abgehalten von den 3

Franziskanern Paul Wolfersperger, Vincent Gouth und Raphael

Leguil: alle 3 aus der elsässisch-Iothringischen Provinz. Bischof

Nommesch war durch diese Mission so ausserordentlich

beeindruckt, dass er die Franziskaner für die Gründung einer

Niederlassung in Luxemburg zu gewinnen suchte. Am Ende der

Mission verkündete er in aller Feierlichkeit: "Die Patres werden

wiederkehren, um immer bei uns zu bleiben." Besonders der

begeisterungsfähige und redegewandte P. Raphael hatte es dem

Bischof von Luxemburg angetan. P. Raphael stammte aus Contz

im nahen Lothringen. Die Wurzeln der Familie gingen über die

Ländergrenze herüber ins Luxemburgische, so dass er über Land

und Leute in Luxemburg genau Bescheid wusste. Nach dem Willen

des Bischofs sollten die Franziskaner, die bis zur französischen

Revolution so segensreich in Luxemburg, Diekirch und Ulfingen

gewirkt hattten, unter der Arbeiterbevölkerung in Esch eingesetzt

werden. Wie einst in früheren Jahrhunderten, so fanden sich

Menschen, die bereit waren, auf ihre Kosten den Franziskanern

eine Kirche und ein Kloster in Esch zu errichten. Es waren dies die

Verantwortlichen der Gesellschaft Terres-Rouges, die Bischof

Nommesch und P. Raphael grossmütig entgegenkamen. Wie

immer, wenn ein grosses Werk entstehen soll, fehlte es auch nicht

an solchen, die dagegen Sturm liefen. Jemand meinte sogar, dass

"die ganze Geschichte gegen die Arbeiter gerichtet sei".

Bürgermeister Wilhelm betonte allerdings, dass man niemand,

der die Legalität einhalte, hindern könne ein Haus zu bauen, das

die Form einer Kirche habe.

Die treibenden Kräfte für die Niederlassung der Franziskaner in

Esch waren neben Bischof Nommesch, P. Raphael, Mgr. Origer

und nicht zuletzt der Klerus der Stadt Esch, der zu dieser Seite der

Stadt dringende Hilfe für die Seelsorge brauchte. Treibende Kraft

war auch Direktor Coqueugnot von Terres-Rouges, der alsbald

dem Verwaltungsrat der Gesellschaft unter Vorsitz von Herrn E.

Schneider (Creusot) den Plan vorlegen konnte. Der

Verwaltungsrat war damit einverstanden dass die Gesellschaft

Kirche und Kloster errichten und an die Franziskaner vermieten

sollte. So kam es zu der ganz eigenen Situation, dass eine

moderne Grossindustrie, die Eisengruben und Hüttenwerke

besass, auch noch Besitzerin einer Kirche und eines Klosters

wurde.

Die Grundsteinlegung

Herr Gross, Architekt der Gesellschaft "Terres-Rouges" arbeitete

in kurzer Zeit die Pläne aus. Den bei den Eschern Unternehmern

l.efèvre und Ruckert wurden die Bauarbeiten übertragen. Die

Vorarbeiten wurden so schnell vorwärts getrieben, dass bereits

am 31. Juli 1922 die Grundsteinlegung erfolgen konnte. Diese erste

Feier fand statt

unter grosser Anteilnahme der Escher Bevölkerung. Als Vertreter

der Regierung waren anwesend die Herren Staatsminister Emile

Reuter und Generaldirektor Raymond de Waha. Die Gesellschaft

Terres - Rouges war vertreten durch Direktor Coqueugnot,

Generaldirektor Schock und Oberingenieur Erpelding. Mgr.

Nommesch, umgeben von Generalvikar Peiffer, Mgr. Origer,

Dechant Bisdorff, Pfarrer Kayser mit dem Escher Klerus, nahm

die Einsegnung vor. In seiner Predigt fand er herzliche Worte an

die Adresse der Stadt Esch, der Gesellschaft Terres - Rouges, der

Franziskaner und aller Anwesenden. Die Kirche sollte dem

heiligen Heinrich geweiht werden als Erinnerung an den im Kriege

als Flieger umgekommenen Sohn Henri des Präsidenten E.

Schneider. Das war der Anfang einer Gründung, die über den

Wechsel der Zeiten hinaus immer wieder die schönsten Früchte

gezeitigt hat.

Konsekration und Vollendung der Kirche.

Die ersten Franziskaner in Esch Am 30. August 1923 bezog P. Raphael mit den 3 Brüdern Aloyse, Yves und Julien die Klosterwohnung in Esch. Einige Tage später folgte P. Matthias Rumbach. Am 14. Oktober desselben Jahres wurden 2 Glocken konsekriert, die von der Gesellschaft Terres- Rouges gestiftet worden waren. Als Patinnen fungierten Madame G. Barbomson, Gattin des Präsidenten der Arbed, Madame Mollard, Gattin des französischen Gesandten in Luxemburg, daneben noch die Damen Schock und Erpelding. Staatsminister Emile Reuter, Herr Schneider, Präsident der Gesellschaft Terres-Rouges, die Herren Donnersbach und Weiss als Vertreter der Beamten und Arbeiter; standen Paten. P. Raphael, der die Festpredigt hielt, bewies bei dieser Gelegenheit, dass er nicht nur zum gewöhnlichen Volk, sondern auch zu hohen Herrschaften sprechen konnte. Grossmütig beschenkt wurden die nahezu 2000 anwesenden Kinder. Am 28. Oktober 1923, genau 14 Tage nach der Glockenweihe, wurde die Kirche selbst durch Mgr. Nommesch konsekriert. Der Provinzialkommissar P. Paul, umgeben von den Metzer

Franziskanern, feierte die erste hl. Messe in der neu konsekrierten

Kirche. Anwesend waren auch der Prinz von Luxemburg und der

Nuntius Mgr. Micara. Die im modernen romanischen Stil erbaute

Kirche machte auf alle den besten Eindruck. Die

Fensterdekoration bezog sich in ihren Themen auf den hl.

Heinrich, die Arbeiterbevölkerung und auf die Franziskaner.

Lehrlinge von Terres-Rouges hatten die Schlosserarbeiten

ausgeführt, während die Franziskanerbrüder die

Schreinerarbeiten besorgt hatten. Der aus Rustroff stammende

Maler Engel hatte die Entwürfe für die Kirchenfenster geliefert,

die dann von der Firma Linster ausgeführt wurden. Für das

Franziskusjubiläum von 1926-27 liess P. Raphael die Kirche

durch den bestbekannten Kirchenmaler Nicolaus Brücher aus

Elvingen mit Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus und des

Franziskanerordens dekorieren. Das Volk hatte seine helle Freude

an diesen farbenfrohen, frommen Bildern, Seminarprofessor Leo

Lommel schrieb damals in einer kleinen Monographie über diese

Bilder: Die St. Heinrichs Kirche besetzt heute in ihrem Innern ein

Werk, das sie für alle Zukunft zu einer Heimstätte echter

religiöser Kunst weihen wird.",

Gründung der Pfarrei St. Heinrich.

Als im Mai 1927 die Gesellschaft Terres-Rouges mit dem Bau von

350 Arbeiterwohnungen begann, stellte sich das Problem der

Arbeiterseelsorge in akuter Weise. P. Raphael erreichte zunächst,

dass St. Heinrich als Hilfskirche von St. Joseph und zwar mit

einem residierenden Kaplan erklärt wurde. Damit war bereits der

Anfang für eine wirkliche Pfarrei gemacht. Nach längeren und

gründlichen Verhandlungen mit den verschiedenen Instanzen

wurde St. Heinrich zu einer Pfarrei Päpstlichen Rechtes erhoben

und den Franziskanern anvertraut. Der erste Kaplan wurde auch

der erste Pfarrer. Er hiess P. Raphael Leguil. Am 30. September

1928 führte Bischof Nommesch P. Raphael in St. Heinrich ein. Am

27. Oktober 1929 wurde das grosse und mächtige Vereinshaus St.

Franziskus feierlich eingeweiht, wobei Kammerpräsiden E. Reuter

die Festrede hielt. Im Jahre 1934 erfolgte die Einweihung des

"Foyer Ste Elisabeth", ein Jahr später die Grundsteinlegung des

Hauptturmes. Die Weihe der 4 neuen Glocken für diesen Turm

wurde im Jahre 1937 vorgenommen. Erst 1948 konnte die Firma

Pels aus Holland, die von P. Damian bestellte Orgel liefern.

Franziskanische Seelsorge.

In diesen äusseren Rahmen aus Stein spannte P. Raphael nach

und nach eine innere Organisation ein, die damals für eine

gedeihliche Seelsorge notwendig war. Schon gleich nach der

Vollendung der Kirche war ein Männer- und Knabenchor ins

Leben gerufen worden. Nach Errichtung der Pfarrei kamen andere

Vereine hinzu. Im November 1929 entstand ein katholischer

Männerverein. Im Dezember 1929 ein Ouvroir für karitative

Zwecke. I m Januar 1930 wurde eine Scouts-Sektion ins Leben

gerufen. Im Juni 1931 sogar eine eucharistische Männer und

Jünglingssektion.

Die Seelsorge war aufgebaut auf eine echt franziskanische

Frömmigkeit die auch alles tat, um den Kindern

entgegenzukommen. Ein eucharistischer Kinderkreuzzug wurde

eingeleitet, dem sich zeitweilig P. Willibrord Rumé, einst

Professor am Priesterseminar in Luxemburg, widmete. Alle Feste

des hl. Franziskus wurden mit grosser Feierlichkeit begangen.

Besonders hoch in Ehren stand die Andacht zum hl. Antonius von

Padua. Franziskanische Frömmigkeit wurde auch über den Weg

des 3. Ordens unter den Erwachsenen gepflegt. P. Raphael wusste

auch um den Wert der Hausbesuche, die er, trotz seiner

aufreibenden Tätigkeit, nie aus dem Auge verlor. Durch diese

Besuche lernte er zahlreiche Escher Familien persönlich kennen.

Bei all dieser Arbeit, dieser Begeisterung wirkten periodisch

gemachte Statistiken über den Besuch des Gottesdienstes sehr

ernüchternd. Das aber war noch immer so.

Abschied und Tod von P. Raphael.

Im Jahre 1935 fand in Metz das grosse Kapitel der Franziskaner

statt, auf dem ein neuer Provinzial gewählt werden sollte. Die

Wahl fiel auf P. Raphael. Nach einem herzergreifenden Abschied

in St. Heinrich begab sich P. Raphael nach Metz, um seinen

schweren und verantwortungsvollen Posten zu übernehmen.

Obschon er durch harte schonungslose Arbeit seine Gesundheit

schwer angeschlagen hatte, begann er bald wieder seine

Missionstätigkeit. Vom 7.-15. März 1936 predigte er unter

grossem Zulauf der Bevölkerung eine Mission in der alten

Franziskanerkirche in Ulflingen. Die Begrüssungs- und

Dankesrede des Bürgermeisters nahm er mit ins Archiv der

Provinz. Vom 17.- 23. März hielt er noch Exerzitien für die

Oberinnen aus der Kongregation der hl. Elisabeth in Luxemburg.

Schon am Morgen des 26. März erlag er in Metz seinem schweren

und hartnäckigen Leiden im Alter von 59 Jahren.

Die Zeitungen von Metz bis Strasburg waren zu klein, um das

Werk des armen Franziskaners zu schildern. Im "Luxemburger

Wort" widmete Mgr. Origer seinem Freund einen langen

tiefempfundenen Nachruf. Im Volke wurde er mit dem

Redemptoristen Pater Zobel verglichen. Dann ging er in die

Legende ein. Auf P. Raphael folgte in St. Heinrich P. Aloyse

Leininger und von 1938-1941 P. Andre Dier. Als im März 1941 die

Franziskaner aus Esch vertrieben wurden, war der älteste Vikar

aus St. Joseph, Matthias Peters als Pfarrverwalter für St.

Heinrich vorgesehen. Weil jedoch die Pfarrei Päpstlichen Rechtes

war, konnte die Diozese nicht darüber verfügen wie sie wollte. 50

blieb P. Damian Helmke für die Zeit des Krieges Ersatzpfarrer in

St, Heinrich.

Aus der Kriegschronik von St, Heinrich (1940-44).

Am Sonntag vom 5. Mai in der Oktave von Christi Himmelfahrt

stehen im Ausrufungsbuch die Verkündigungen über die Feier des

kommenden Pfingstfestes in St. Heinrich. Dieses Pfingstfest

wurde nie in St. Heinrich. gefeiert. Am 10. Mai, am Freitag vor

Pfingsten brach der Krieg mit seinen Schrecken über die Stadt

herein, zerstreute die Bevölkerung und machte dem Pfarrleben auf

Monaten ein Ende. Nach einer Unterbrechung von mehr als 2

Monaten setzte allmählich der normale Pfarrbetrieb wieder ein.

Am 21. Juli, dem 10. Sonntag nach Pfingsten, werden die

Verkündigungen im Ausrufungsbuch wieder fortgesetzt. Es wird

hier besonders darauf hingewiesen, dass wegen der notwendigen

Eintragung in die Kirchenregister die Namen der in der

Zwischenzeit Verstorbenen und Getauften angegeben werden

sollten. Aus kurzen Andeutungen an den nachfolgenden

Sonntagen geht hervor, dass das Vereinsleben nach und nach

erdrosselt wird. Einstweilen wird die Pfarrei noch von P. Andre

Dier weitergeführt. Am 16. März 1941 setzt jedoch ei ne andere

Schrift die Verkündigungen fort. Die Franziskaner sind kurz

vorher verjagt und ausgewiesen worden. Einzig und allein

zurückgeblieben ist der deutsche Pater Damian Helmke. Im

Verkündigungsbuch lesen wir, dass einstweilen die

Sonntagspredigt ausfällt, bis wieder geordnete Verhältnisse in die

Pfarrei zurückgekehrt sind. Desgleichen wird mitgeteilt, dass mit

Zustimmung des Bischofs der Pater das Ordenskleid ablegen und

die Kleidung des Weltgeistlichen tragen wird. Am Schlusse der

Verkündigungen wird vermerkt, dass das Gesetzt vom 9.

Dezember 1940 über die Kirchensteuer am 1. Juli in Kraft treten

wird. Am Sonntag, den 4. Mai teilt P. Damian mit, dass er vom

11.-18. Mai abwesend sein wird, dass jedoch der Kaplan ihn

ersetzen wird. Dieser wohnt im Kloster und wird an der Pforte

die Bestellungen entgegennehmen. Es handelt sich hier um den

späteren Universitätsprofessor Dr. Marcel Reding. Zuerst

Professor an der theologischen Fakultät der Universität Graz in

Oesterreich. Zur Zeit Professor für katholische Weltanschauung

an der freien Universität von Berlin-Dahlem.

An diesem Sonntag wird auch mitgeteilt, dass der Pfarrbote nicht

mehr erscheinen wird.

Am 22. Juni 1941 wird verkündigt, dass der Stillhaltekommissar

einverstanden ist, dass die Sterbekasse der

Jungfrauenkongregation weiterbestehen darf, so dass die

eingezahlten Beiträge nicht verloren sind. Ein Verzeichnis der

Mitglieder, die in die Sterbekasse eingezahlt haben, wird

angefordert.

Am 10. August wird den Gläubigen verlesen, dass die Formulare

für die Beitragsordnung d.h. für die Erhebung der Kirchensteuer

von denselben Frauen, die früher den Pfarrboten ausgetragen

haben, den Gläubigen zugestellt werden.

In einer Mitteilung vom Sonntag, dem 14. September heisst es,

dass die Schwestern das Kinderheim verlassen haben. Sie dürfen

aber durch "freundliches" Entgegenkommen in der Pfarrei

verbleiben und stehen bei Tag und Nacht für die Krankenpflege

zur Verfügung. Sie wohnen jetzt Schillerstrasse Nr. 5, 1.

Stockwerk, neben Bäcker Roth. (Aus der Michel Welterstrasse ist

die Schillerstrasse geworden).

Am 14. Dezember 1941 wird die Mitteilung gemacht, dass bei

Entwarnen vom Fliegeralarm nach Mitternacht vor 10 Uhr

morgens kein öffentlicher Gottesdienst stattfinden darf. Da der

private Gottesdienst kein öffentlicher Gottesdienst ist, wird die

Messe von 7 Uhr als private Stillmesse gehalten. Die Haupttüre

der Kirche bleibt geschlossen, während die Seitentüre für die

Gläubigen geöffnet wird. Der Weihnachtsgottesdienst wird am

Vorabend von Weihnachten um 5 Uhr beginnen.

Aus den Verkündigungen vom 26. April 1942 geht hervor, dass der

neue Kaplan Felix Bürr eingetroffen ist und dass er im Pfarrhaus

wohnt. Felix Bürr ist Franziskaner aus der elsässisch-

Iothringischen Provinz. Er wird in seiner Opferbereitschaft und

in seiner bescheidenen Freundlichkeit alle bösen Zeiten in St.

Heinrich überleben. Felix Bürr ist der Nachfolger von Kaplan

Marcel Reding, der St. Heinrich wieder verlassen hat, um seine

Studien an der Universität Tübingen fortzusetzen.

Am 18. Oktober 1942 verkündet P. Damian die Anschaffung einer

neuen Orgel, die von der Firma Pels aus Holland geliefert werden

soll.

Fast regelmässig kehren an den Sonntagen die Ermahnungen zum

Bezahlen der Kirchensteuern wieder. In manchmal bitteren

Worten werden die Eltern aufgefordert, ihre Kinder regelmässig

zum Besuch des Religionsunterrichtes zu schicken.

Ueber die Einführung des Militärdienstes in Luxemburg (für eine

Reihe von Jahrgängen) findet man nur Andeutungen über den Weg

der Messintentionen.

Am 17. Januar 1943 aber heisst es, dass wegen der sich häufenden

Einberufungen zur Wehrmacht, wir in Zukunft "mehr für unsere

Soldaten beten müssen". Die Gleichsetzung der Luxemburger

Zwangsrekrutierten mit den deutschen Soldaten findet jedoch ein

schlechtes

Echo. In den Verkündigungen vom 14. März 1934 wird darauf

hingewiesen, dass bei nachmitternächtiger Entwarnung von

Fliegeralarm auch die Seitentüre geschlossen bleibt.

Am 12. September 1943 wird noch einmal ein scharfer Tadel an

die Adresse der Eltern ausgesprochen wegen des mangelhaften

Besuches des Religionsunterrichtes und wegen der massiven

Abwesenheit der Kinder beim Erstbeichtunterricht. Eine

enttäuschende Nachricht erfahren die Gläubigen von St.

Heinrich, als P. Damian ihnen am 14. Mai 1943 mitteilt, dass die

neue Orgel zwar zu 3/4 fertig ist, dass sie jedoch in absehbarer

Zeit nicht geliefert werden kann. Einmal, weil es dem

Orgelbauer Pels aus Alkmaar in Holland am richtigen Material

fehlt, um die Orgel zu vollenden, andererseits meint P. Damian,

dass es wegen der immer näher rückenden Bombengefahr nicht

opportun sei, die Orgel jetzt aufzurichten.' Das bereits

gesammelte Geld ist allenfalls sichergestellt.

Am 3. September 1944 werden neue Klagen über den

schlechten Besuch der hl. Messe und des Religionsunterrichtes

erhoben. Der Klostergarten ist vor herumstreifenden

Marodeuren nicht mehr sicher. Allenthalben

Verfallserscheinungen einer Zeit, die ihrem Ende entgegengeht.

Am 8. Oktober 1944 verraten neue Schriftzüge im

Verkündigungsbuch, dass wieder eine Wachablösung in St.

Heinrich stattgefunden hat. Rosenkranzsonntag wird gefeiert.

Pfarrer M. Weber aus St, Joseph hält die Festpredigt und'

verkündet eine neue Aera für die Pfarrei.

Die Franziskaner verlassen St. Heinrich (1959)

I n den Nachkriegsjahren setzten die Luxemburger

Franziskaner Patrice Diderich, Justin Godar und lrenee Wilwert

das Werk von Pater Raphael in seinem Geiste fort. Als Opfer

seiner aufreibenden Tätigkeit in St. Heinrich starb in jenen

Jahren der noch jugendliche Pater Marcel Bohnert. Letzter

Franziskanerpfarrer von St. Heinrich war P. Irenee Wilwert,

letzte Kapläne P. Cyprien Mainz und Gonzaque Burr, letzter

Franziskanerbruder Henri Rock, der während des Krieges in

Frankreich eine Rolle in der Resistenz gespielt hatte. Als Werk

der Franziskaner gilt auch die Kapelle "Jesus Ouvrier" in

Raemerich.

Als die Berufe im Franziskanerorden abnahmen, drängte sich

eine Konzentration des Personals auf, das umsomehr, weil auf

einmal die erhofften notwendigen Nachwuchskräfte aus

Luxemburg ganz ausfielen. In dieser Notlage beschloss der

Franziskanerorden schweren Herzens, Kloster und Pfarrei St.

Heinrich aufzugeben, um sie dem Diozesanklerus zu

überlassen. Still und unauffällig wie sie gekommen, verliessen

die letzten Franziskaner das so liebgewonnene Kloster und die

Escher Bevölkerung, die alle, die dort im Einsatz waren, bis zu

ihrem Tode nicht mehr vergessen sollten.

Die Zusammenarbeit mit dem Escher Pfarrklerus war allzeit

vorzüglich gewesen. Von diesem Willen zur Zusammenarbeit

auch auf der Seite des Pfarrklerus gibt Zeugnis ein Brief, den

der neuernannte Pfarrer von Esch St. Joseph, Dr. Nikolaus

Weirich an Pater' Raphael schrieb. Dort heisst es: "Ich habe nur

den einen Wunsch mit Ihnen und zu gleicher Zeit mit H. Engler

in der vollsten Harmonie zusammen zu arbeiten. Wenn es

meinem Willen gemäss gehen wird, so werden wir treu und fest

zusammenstehen und Esch leiten wie wenn es nur eine Pfarrei

wäre.

Kapelle "Jesus-Ouvrier" in Raemerich. Eingeweiht am 1.5.53 mit Mgr. Leon Lommel. Pläne: Willy WeigeI. Ausführung: Die Einwohner von Raemerich mit Pfarrer Irenee Wilwert.

Sie sind der Aelteste von uns und bereits in Esch eingelebt; wir

können also nur von Ihnen lernen und von Ihren Erfahrungen

profitieren. Ich werde in Esch nicht jeden Strohhalm sehen und

stolpern, auch vielleicht nicht einmal über eine Schiene, wenn

sie im Wege liegt.

Ich hoffe, dass wir drei Pfarrer uns jeden Monat gemeinsam

aussprechen und gemeinsame Richtlinien festlegen werden.

Man soll von Anfang an in Esch wissen, dass wir nur ein Herz

und ein Wille sind und dass die gesammte Geistlichkeit nur ein

Ziel verfolgt, die grösste Ehre Gottes.

Ich will Ihnen ein guter Nachbar sein und wenn vielleicht

gegenseitige Interessen in Konflikt kommen sollen, so wollen

wir uns als gereifte und verständige Menschen und besonders

als Priester aussprechen und dann findet sich immer eine

Lösung."

Aus diesem Schreiben geht klar und deutlich der Wille zu einer

"pastorale d'ensemble" auf dem Plan der Stadt Esch hervor. Es

spricht aber auch aus ihm ein Führungstalent, das bald in Esch

zur Geltung kommen wird, um auf eigenwillige Art und Weise,

und doch in Zusammenarbeit kühne Pläne zu realisieren.

Die Pfarrei wird vom Diozesanklerus übernommen. (1959)

Im Jahre 1959 wird die Pfarrei St. Heinrich vom Diözesanklerus

übernommen und Herr Eugène Kellner, langjähriger Vikar in

Esch St. Joseph, zieht als neuer Pfarrer in St, Heinrich ein. Seit

12 Jahren ist ihm als hingebender Mitarbeiter Herr Paul Metz

zugeteilt. Nach langwierigen Verhandlungen gelang es im Jahr

1962 durch die kluge und tatkräftige Unterstützung des

Stadtschöffen Jean Kinsch, die Besitzfrage des

Gebäudekomplexes definitif zu regeln. Damit das Werk der

Franziskaner nicht verfallen sollte, nahm Pfarrer Kellner sofort

die Renovierungsarbeiten mit grösster Energie in Angriff.

Schon im Februar 1962 begannen die Renovierungsarbeiten im

Kloster durch die Escher Stadtverwaltung. Im November 1964

wurde die Restaurierung der Kirche in Angriff genommen. Aus

der einstigen etwas farbigen Klosterkirche wurde ein grosser

hell- und weisstrahlender Raum, angepasst den Anforderungen

einer neuen konziliaren Liturgie.

Ueber dem monumentalen Altarblock schwebt seit 1968 das

eindrucksvolle Altarkreuz von Pr. Elmar Hillebrand. Als

Bischof Leo Lommel am 18. Mai 1969 die Konsekration des

neuen Altars vornahm, war es ihm gegönnt, nach der

kirchlichen Feier in den renovierten einstigen Klostergebäuden

an der Einweihung des neuen Pfarrzentrums "Porte Ouverte -

Rencontre" teilzunehmen. Eine dynamische, den neuen

Verhältnissen angepasste Seelsorge führt die Arbeit der

unvergesslichen Franziskaner weiter, mit denen Pfarrer Kellner

immer im besten Einvernehmen blieb. Unter dem Titel

"Familgeband" erscheint alle 14 Tage das Pfarrblatt in 2000

Exemplaren . Viel wird auch in dieser Pfarrei getan für die

religiöse Erwachsenenbildung, hauptsächlich mit Hilfe der

Strassburger Redemptoristen. Pädagogische Abende über

Kindererziehung und Ferienaufenthalte in den Bergen, sorgen

für Geist  und Leib der Kinder aus der Pfarrei St, Heinrich.

Madonna in St. Heinrich (um 1520)

Fünfzig Jahre sind seit dem Einzug der ersten Franziskaner in

Esch verflossen und 45 Jahre seit der Gründung der Pfarrei St,

Heinrich. Die Franziskaner kamen und gingen wieder, sowie es

das Los pilgernder Mönche auf Erden ist. Ihre Arbeit aber lebt

weiter in den Menschen. denen sie zeitweilig alles waren, lebt

weiter auch in dem Werk das sie geschaffen, das heute vom

Weltklerus mit einer Schar tapferer und hingebender Laien

fortgesetzt wird.

Wenn ein Jubiläum ein Fest der Erinnerung ist, so möge es auch

ein Fest der Dankbarkeit sein gegenüber all denen die vor 50

Jahren mit diesem Werk begonnen und die Kraft, Gesundheit

und Leben mithineingebaut haben.

Bronzekreuz von Elmar Hillebrand

BIBLIOGRAPHIE.

1) P. Benadin Bender G.F.M., Pater Raphael Leguil, Alsatia 1938

25

2)Les Franciscains d'Esch, l'Eglise St. Henri et le Couvent des

Franciscains à Esch/ Alzette, Imprimerie St. Paul, Luxembourg

3)M. Weber, St. Heinrichskirche und Franziskanerkloster, Livre

du Cinquantenaire de la Ville d'Esch/Alzette 1956

4)Kurzgefasster Sitzungsbericht über die Stadtratssitzung vom

21.

Juli 1922

5)Dr. Leo Lommel, Die Wandmalereien der Franziskanerkirche

in Esch/ Alzette, Luxemburger Wort

6)Archives de la Maison Provinciale des Franciscains a Metz

7)Archives de la Paroisse St. Henri à Esch.

50 JAHRE ST. HEINRICH, ESCH/ALZETTE

Rückblende der Franziskaner-Nachfolger

Nicht die Zahl der Jahre ist entscheidend bei der Bewertung

einer Zeitspanne, sondern der Geist, welcher diese Jahre

geprägt hat. Der Grundstein zum Gebäudekomplex von St.

Heinrich wurde zum geistigen Träger der bewährten

franziskanischen Deutung des Evangeliums. Franz von Assisi,

der bedürfnis- und anspruchslose Troubadour aus Umbrien

hielt seinen Einzug in die Minettsmetropole, in die Stadt der

Gegensätze und Konfrontationen. In die eingefahrenen Gleise

der herkömmlichen Pfarrseelsorge sollte der freie und

unkonventionelle Wind von Assisi, wehen. Etwas "Neues" und

doch nur etwas "Selbstverständliches" für den, der die

Bergpredigt zur Richtschnur seines Christseins nimmt. Die

braunen Kutten und die nackten Füsse, welche anfangs

Sensation im Stadtbild machten, waren das äussere Zeichen für

dieses "Neue". Im 12. Jahrhundert war es die Kleidung der

armen, ungebildeten und rechtlosen Landarbeiter mit denen

Franz sich identifizierte. In unserer Zeit aber eine anschauliche

Mahnung das "Wesentliche" im Christsein nicht von billigem

Rankenwerk überwuchern zu lassen.

Heute, 50 Jahre danach, soll unser Rückblick von

Anerkennung, Dankbarkeit und Freude getragen sein.

Anerkennung ...

Mit der Errichtung des Gebäudekomplexes St. Heinrich wurde

eine Initiative ergriffen, die damals nicht selbstverständlich

war.

Es gab nicht nur Beifall bei der Gründung. Aber die einfache

und anspruchslose Kontaktnahme der Pioniere mit der

Bevölkerung entwaffnete mit den Jahren auch die

verbissensten Gegner. Gewiss, die Kirche wurde von der

Hüttengesellschaft "Terres Rouges" erbaut, aber Kloster,

Kirchturm und Franziskusheim samt Inneneinrichtung wurden

von unzähligen kleinen Spenden, die mühsam

zusammengerafft wurden, errichtet. Tombolas, Theaterabende,

Bazare, Verkauf von Gemüse aus dem Klostergarten usw.

wurden organisiert, um die erforderlichen Mittel aufzubringen.

Wahrhaftig, ein Werk des Volkes und der mit ihm verbundenen

Franziskussöhne.

Dankbarkeit ...

Der Gebäudekomplex St. Heinrich stand von Anfang an im

Dienste der Seelsorge. Unermüdlich waren Pater Raphael

Lequil und seine Mitbrüder unterwegs, um in Volksmissionen,

Exerzitien und Einkehrtagen die Frohe Botschaft im Geiste des

hl. Franziskus zu verkünden. Einfach anspruchslos und

leutselig eroberten die braunen Kuttenträger das Vertrauen von

Menschen aus nah und fern. Wieviele Menschen in Not

Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung mit neuem Mut und

Vertrauen die diskrete Klosterpforte verliessen, ist nirgends

niedergeschrieben. In Dankbarkeit wollen wir daran

zurückdenken.

Freude ...

Ja wir freuen uns aufrichtig an diesem Jubiläumstag über

unsere kurze aber inhaltreiche geschichtliche Vergangenheit.

Allerdings, nicht reich im Sinne von sensationnellen

Geschehnissen, sondern durch den Geist des Poverello von

Assisi, der sie getragen und geprägt hat. Das geistige

Fundament das 1923 gelegt wurde, ist tief verankert im Leben

und in der Erwartung der Pfarrangehörigen von St. Heinrich.

Deshalb wird die ganze Pfarrei sich freuen, die noch lebenden

früheren Seelsorger am 28. Oktober in ihrer Mitte begrüssen zu

können und der bereits heimgegangenen in Dankbarkeit

gedenken.

"Was du von den Vätern ererbt, erwirb es, um es zu besitzen".

Wir wollen jedoch nicht bei der Gründung stehenbleiben. Das

wäre Verrat. Leben, das nicht wächst, verkümmert. Eine

christliche Gemeinschaft ist lebendig oder sie ist nicht. Weder

starres Beharren auf dem Ueberlieferten noch ängstliches

Sorgen um die Vergangenheit entsprechen den Absichten der

Gründer. Der Rückblick darf den Ausblick nicht hindern, Im

Gegenteil, aus der Vergangenheit wollen wir lernen, der

Zukunft zu begegnen. Und diese Zukunft heisst ganz einfach

"Mensch". Ob jung oder alt, ob gläubig oder ungläubig, ob

gebildet oder ungebildet, ob arm oder reich, der einzelne

Mensch, als einmaliges Ebenbild Gottes auf der Suche nach

seinem Urbild, muss Ausgang und Ziel des Suchens, Schaffens

und Betens unserer christlichen Gemeinschaft sein.

Möge die aktiv-lebendige Erinnerung an die franziskanische

Gründerzeit immer in St. Heinrich erhalten und gepflegt

werden!

Denn nur am Geiste von Assisi können Kirche und Welt

gesunden.

Eug. Kellner      Paul Metz

Comité d'Organisation

PROGRAMME EXECUTE PAR LA MAITRISE STE CECILE DE LA CATHEDRALE NOTRE·DAME DE LUXEMBOURG, Samedi, le 27 octobre 1973 à I'Eglise St, Henri d'Esch-sur-Alzette. Direction: René Ponchelet Aux Orgues: Albert Leblanc   Messe du soir à 19.00 heures  Entree Grand Choeur (orgues)  Chant de mèditation: Terre et ciel                                             Alleluia  Offertoire: Du hast 0 Herr Sanctus VIII Benedictus Communion: Schmücke dich Sortie: 0 Mamm le'f Mamm (cantique) et sortie Concert Spirituel vers 20.00 heures Ire Partie: Meditation: Les Mysteres du Salut Wachet auf (orgues et choeurs) Dies sanctificatus Choral: 0 Haupt voll Blut und Wunden (orgues)  Au bord des eaux Chretiens chantons arr. Vous etes sans pareille arr. Santus - Benedictus Veni créator IIe Partie: Tresor de la Musigue Sacree Ave Maris Stella (plein-chant / variations p, orgues ) Exsultate justi Vox dilecti                   P. du Mage  L Deiss R, Ponchelet  J,S, Bach A, Bruckner  J,S, Bach   A, Leblanc        J,S, Bach G.P, Palestrina  J.S, Bach CI. Goudimel  R. Jef J. Gelineau  J, Prieto L, van Beethoven     A, Leblanc L. Viadano  G.P. Palestrina Laudate coeli  Justorum animae  Ubi caritas o sacrum conviviurn  Alleluia, Beni soit Dieu  Toccata en si bemol   H. Benevoli  A. Salieri M. Durufle  D, Bartolucci  G, F, Haendel  C, Vierne PROGRAMME EXECUTE PAR LA CHORALE MIXTE ST. HENRI ET UN ENSEMBLE D'INSTRUMENTS A CUIVRE A LA MESSE PONTIFICALE DE COMMEMORATION Dimanche, le 28 octobre à 16.00 heures, Direction: Jos. Klosen Aux Orgues: J.P. Kinsch Gagliarda pour instruments ä vent Ein Haus voll Glorie schauet                                     arr, Jubiläumsmesse St. Heinrich (Ordinarium) Chant d'intercession "Kirchenweihmesse"  Offertoire: Locus iste Communion: 0 allerhöchste Speise (Choral) I nterlude: Choral fughette nach "Nun rufen alle Wälder" Action de grâces: Alleluja du "psaume 117"  Sortie: Präludium und Fuge in F moll aus der 8, Suite       Melchior Franck  P, Norbert Weber  Jos. Klosen P, Norbert Weber  Anton Bruckner  J,S. Bach J.S, Bach  G. Ph, Telemann  G. Fr, Haendel CONCERT SPI RITUEL EXECUTE PAR LA "CHORALE MUNICIPALE" DE BETTEMBOURG EN L'EGLISE ST, HENRI, ESCH/ALZ, Dimanche, le 11 novembre à 17.15 heures. Direction: Fernand Jung  Aux orgues: Pierre Draut Avant la messe: Stabat mater                                         Schubert pour soli, choeurs et orgues solistes: Bebv Kohl-Thommes, soprano        Vevant Arendt, tenor       Laurent Koster,                                    Pendant la messe de 18.00 heures:                              Wohin soll ich mich wenden                  Denn die Herrlichkeit Gottes  Ave Maria Heilig, heilig Ave verum Halleluja Schubert Haendel  Lambillotte  Schubert  Mozart  Haendel CharIes Reichling Mme M.J. Assa-Bludau  Victor Kayser Pierre Heuskin Jos. Klosen Roger Koemptgen  Hubert Kraemer  Emile Pleim Steil Theodore Les prêtres de la paroisse:  Abbé  Eug. Kellner abbé Paul Metz   président secretaire trésorier membre membre membre membre membre membre

Esch sur Alzette

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Franziskusweg
Unterwegs mit dem Hl. Franziskus