Franziskusweg
Unterwegs mit dem Hl. Franziskus
Luxemburger Wort 27.6.2007
Im Umfeld der Renovierungsarbeiten an der „Maison Lassner“ an der Place Guillaume II
Historische Zeugnisseim Bereich des „Knuedler“?
Archäologen vermuten Überreste des Klosterrefugiums Marienthal und der Mansfeld-Kapelle
VON JOHN LAMBERTY
lm Herzen der Oberstadt steht sie, die altehrwürdige „Maison Lassner“, die, 1890 an der Place Guillaume II
erbaut, zu den kulturhistorischen Schmückstücken der Hauptstadt zählt. Derzeit ist der ehemalige Sitz des
Kristall-, Porzellan- und Spielwarengeschäfts Objekt umfangreicher Renovierungsarbeiten, die nun auch die
Archäologen auf den Plan rufen, denn im Erdreich im Umfeld des „Knuedler“ schlummern vermutiich noch viel
ältere Zeugen der Vergangenheit ...
„Eine genaue Betrachtung der einschlägigen historischen Pläne und Dokumente lässt uns annehmen, dass sich
unter dem Vorplatz der Place Guillaume II noch ein Großteil des Unterbaus des ehemaligen Franziskanerklosters
aus dem 13. Jahrhundert und der dazugehörigen Kirche „in situ“ befinden, zumal der Bereich zur Rue du Fossé
hin nicht vom Bau des unterirdischen Parkhauses im Jahre 1979 betroffen war“, so Michel Polfer, Direktor des
„Musée national d'histoire et d'art“ (MNHA) kürzlich in einem Brief an den Stadt- Bürgermeister Paul Helminger
und die „Immo Lassner S.A.“.
Darüber hinaus habe man bei einer ersten Ortsbesichtigung im angrenzenden „Veräinshaus“ festgestellt, dass
dieses noch einen bedeutenden Teil der Mauern des ehemaligen Refugiums des Klosters Maricnthal umfasst,
das dort 1691 unter der Wiederverwendung von älteren Bauelementen (sog. Spoliennutzung) aus dcm 16. Jahr-
hundert erbaut wurde, so Polfer weiter. Im Hof des „Veräinshaus“ zur Place Guillaume II hin, befänden sich aller
Wahrscheinlichkeit nach zudem Überreste der zwischen 1806 und 1833 zerstörten Mansfeld-Kapelle und des
Chors der ehemaligen Klosterkirche.
Für den MNHA-Direktor ist damit klar, dass es sich bei den genannten Bereichen an der Place Guillaume II, die
„Maison Lassner“ inbegriffen, um eine „zone hautement sensible pour l'histoire de la ville de Luxembourg“ han-
delt und jedem baubedingten Eingriff in den Erdboden eine Untersuchung durch die Archäologen des MNHA
vorausgehen muss.
Wie Staatssekretärin Octavie Modert dieser Tage in ihrer Ant- wort auf eine parlamentarische Anfrage des
Abgeordneten Ben Fayot erklärte, hätten Mitarbeiter des MNHA die „Maison Lassner“, unter der eine
Geschäftsfläche eingerichtet werden soll, in den vergangenen Monaten bereitsmehrmals besucht, bislang seien
jedoch noch keine Grabungen oder Sondierungen im Innern des Gebäudes durchgeführt worden. Man habe
allerdings festgehalten, dass Sondierungsgrabungen an zwei Stellen des Gebäudes, wo keine Keller vorhanden
seien, durchgefiihrt werden sollen, in der Hoffnung, dort Überreste des Marienthal-Refugiums und der Mans-
feld-Kapelle zu finden. Eine Untersuchung der Mauern des Hau- ses durch einen Architekten des
Denkmalschutzes stehe bereits in den kommenden Tagen bevor.
Luxemburger Wort Veröffentlicht am Donnerstag, 15. März 2012 um 14:01
Von Christian Mohr
Archäologen des Nationalmuseums haben bei ihren Ausgrabungen zwischen der Place Guillaume II (Knuedler)
und der Rue Notre-Dame zwei Skelette freigelegt. Ersten Erkenntnissen zufolge handelt es sich dabei um die
recht gut erhaltenen Überreste von Menschen, die etwa im 17. oder 18. Jahrhundert auf dem Friedhof des
Franziskanerklosters begraben wurden. Es werden wohl noch viele Monate ins Land gehen, bis an diesem Ort
der geplante Ausbau des hauptstädtischen Rathauses, mit dem Bau eines „Bierger“-Zentrums, vorankommt.
Ganz so überraschend war der „Fund“ dann doch nicht, wie Archäologin Christiane Bis dem Luxemburger Wort
gegenüber sagte: „Aufgrund dessen, was bislang an Gemäuern gefunden wurde und weil früher in direkter
Umgebung das Franziskanerkloster stand, waren die Chancen nicht schlecht, dass wir auf einen Friedhof stoßen
würden.“ Die Leiterin der „Section moyen-âge“ im „Musée national d'histoire et d'art Luxembourg“ (MNHA)
schließt nicht aus, dass sich in einer Tiefe von bis zwei Metern – bis Höhe Rue Notre- Dame – weitere Skelette
befinden.
Die Stadtverwaltung und das MNHA hatten sich im Vorfeld des Abrisses des ehemaligen „Veräinshaus“ darauf
verständigt, ab Herbst 2008 eine „Notausgrabung“ durchzuführen. „In der Zwischenzeit konnten wir die
Grundmauern einer Kapelle des ehemaligen Franziskanerklosters freilegen“, sagte Bis. Auf Basis der Pläne von
1691 eines so genannten Gougeon arbeiten sich die Archäologen an einen zusätzlichen Flügel am Kreuzgang des
Klosters vor. Im Frühjahr 2010 soll die Suche nach den Überresten des Kirchenchors beginnen.
Dieser Teil könnte allerdings im Laufe der Zeit zerstört oder durch andere Gebäude ersetzt worden sein. Wie
lange sich der Bau des „Bierger“-Zentrums wegen der Ausgrabungsarbeiten verzögert, konnte Bautenschöffin
Anne Brasseur gestern auf Anfrage nicht sagen. Denn es sei derzeit nicht abschätzbar, auf welche Funde man
noch treffe. Bis 2012/2013 sollte das Bürgerzentrum allerdings von dem „Centre Hamilius“ an den Knuedler
umgesiedelt sein, um die Pläne am „Aldringer“ fristgerecht umsetzen zu können.
Knuedler-Parkhaus vergrößert
Auch Brasseur zeigte sich angesichts der Skelette kaum überrascht: „Das Gemeindehaus ist zum Teil aus alten
Steinen des Klosters errichtet, in denen man Knochen fand. Außerdem sind bereits in den 1960er-Jahren bei der
Neugestaltung des Knuedler viele Knochenreste zutage gekommen.“ Anne Brasseur bestätigte gegenüber dem
Luxemburger Wort, dass eine Machbarkeitsstudie dem Vorhaben des Schöffenrates, das Parkhaus Knuedler
„substanziell auszubauen“, grünes Licht erteilt habe.
„Zum einen wollen wir das Wohnen in der Stadt attraktiver machen, und dazu benötigen wir Parkplätze, zum
anderen gehen uns durch die künftige ,Zone de rencontre‘ in der Rue Notre-Dame Stationierungsplätze verloren.
Diese gilt es zu kompensieren“, so Brasseur. Der bis heute erhaltene Name dieses Standortes – Knuedler, nach
dem Knoten der Mönchskordel – erinnert noch heute an die einstigen Besitzer. Die Klosterkirche der
Franziskaner in Luxemburg wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals neu errichtet und war zwischenzeitlich
die prägendste Kirche der Stadt. Nach der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgelöst und unter
Napoleon der Stadtverwaltung geschenkt, die alle Gebäude abtragen ließ.
Luxemburg Knuedler
Knuedler
Der Knuedler (deutsch Wilhelmsplatz, französisch Place Guilleaume genannt) ist ein zentraler Platz
der Stadt Luxemburg. Er ist nach Wilhelm II., König der Niederlande und Großherzog von Luxemburg
benannt.
Seit Mitte des 13. Jh. standen auf dem Wilhelmsplatz die Kirche und das Kloster des
Franziskanerordens. Nach dem Knoten des Gürtels der Mönche, auf lëtzebuergesch "de Knued", wird
der Platz im Volksmund auch "Knuedler" genannt.
1797 wurde das Kloster mit all seinen Anlagen von den Franzosen beschlagnahmt und stückweise
veräußert. In den folgenden Jahrzehnten wurde der gesamte Komplex abgetragen und der Platz neu
angelegt. Heute finden auf dem Wilhelmsplatz neben dem Mittwochs und Samstags stattfindenden
Wochenmarkt noch zahlreiche andere Märkte (z. B. während der Muttergottesoktave das Oktavmärtche),
Freilichtkonzerte (Knuedler goes Classic oder Rock um Knuedler) und Feste statt.
Am Wilhelmsplatz befindet sich das Rathaus der Stadt Luxemburg und das Reiterstandbild Wilhelms II.
De Knuedler ass eng Plaz an der Alstad vun der Stad Lëtzebuerg. "Offiziell" ass se nom Wëllem II.
benannt.
Fréier stung hei e Franziskanerklouschter. D'Ceinture mat Kniet, déi d'Franziskanerpatere gedroen hunn,
huet hinnen, an domat dem Klouschter, a spéider der Plaz, hiren Numm ginn.
Op der Plaz steet eng Statue mam Wëllem II. um Päerd, déi 1884 opgeriicht gouf, an no Oste kuckt. Op
der Südsäit vun der Plaz läit d'Stadhaus vun der Stad Lëtzebuerg, dat tëscht 1830 an 1838 am
neoklassizistesche Stil, no Pläng vum Lécker Architekt Justin Remont gebaut gouf. Déi bronze Léiwen
lénks a riets vun der Haaptentrée goufen 1931 vum Auguste Trémont geschafen.
Um Knuedler gëtt de stater Wochemaart ofgehalen, a während der Octav den Octavmäertchen.
LuxemburgerWort Freitag, den 14. Oktober 2016
Kirche, Krypta, Knochen
Erste Ergebnisse archäologischer Ausgrabungen auf dem Knuedler
VON RITA RUPPERT
lm Rahmen der Ausbauarbeiten der Tiefgarage Knuedler im Zentrum der Hauptstadt wurden Überreste einer Kirche aus
dem 13. iahrhundert und mehrere Gräber gefunden. Gestern präsentierten die Verantwortlichen erste Ergebnisse der
archäologischen Ausgrabungen.
Zufriedene Gesichter gab es gestern Vormittag auf dem Knuedler. Zum einen, weil die Bauarbeiten an der Tiefgarage
durch die Funde nicht beeinträchtigt werden, zum anderen, weil wichtige wissenschaftliche Fragen beantwortet werden
konnten.
Gefunden wurde der Grundbau der Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert, die parallel zur Rue Notre-Dame errichtet
worden war. Entdeckt wurden auch Stufen einer Wendeltreppe, die wahrscheinlich zu einer Krypta auf der Ebene des
Chorraumes der Kirche führte. Die Existenz dieser Krypta war bis dato unbekannt.
In der Verlängerung des Chor- raums aus dem 13. Jahrhundert liegt die Peter Mansfeld-Kapelle. Auf Überreste dieser
Kapelle, die sich zur Hälfte unter dem ehemaligen Lassner-Gebäude befindet, waren die Arbeiter vor ein paar Wochen
gestoßen.
Neue Erkenntnisse
Zum Vereinshaus hin wurden Gewölbe gefunden, die darauf hindeuten, dass der Chorraum höher war als der Rest der
Kirche, so die Archäologin Christiane Bis.
Mitte des 13. Jahrhunderts be- fanden sich auf dem heutigen Knuedler ein Franziskanerkloster und eine Kirche. Nach
einem Brand und einem Sturm wurden im 17. Jahrhundert ein neues Kloster und eine neue Kirche an dieser Stelle
errichtet. Die Archäologen haben jetzt zwei Grabstellen entdeckt, die letztgenannter Kirche zugeordnet werden.
Gefunden wurden bei Probebohrungen im ehemaligen Franziskanerkloster u. a. Reste von Putz mit farbigen
Verzierungen und Vergoldungen sowie farbige glasierte Bodenfliesen. Zu klären bleibt, ob die Kirche zwei- oder
dreischiffig war. „Jeder Stein bringt neue Erkenntnisse“, sagt Christiane Bis, die im Übrigen nicht wirklich erstaunt
ist über die Funde. „Spannend ist es abertrotzdem zu sehen, dass an den Orten, wo schon viel gearbeitet wurde, auf
wenigen Zentimetern noch so viel gefunden wird.“ Bügermeisterin Lydie Polfer erinnerte daran, dass das Gemeindehaus
mit den Steinen des Franziskanerklosters erbaut wurde.
Vor den Augen der Journalisten wurden
gestern Vormittag Schädel und Knochen
freigelegt.
In dieser Baugrube stießen die
Arbeiter auf die menschlichen Über-
reste eines Kindes.
Ein in archäologischen Ausgrabungen
spezialisiertes Untemehmen führt die
Arbeiten aus.
Die Funde, die unter der Place
Guillaume II gemacht werden,
sollen erhalten bleiben.